Das Tagebuch des Musikworkshops
verfasst durch Ina Bender
Sonntag, 20. Mai 2001
Endlich
ist es soweit...
Nach
monatelanger Vorbereitung reist die Rur-Rock-Band am Sonntag den 20.05.01 von
Oberbruch aus nach Russland.
Viele
Eltern, Verwandte und Freunde helfen, die großen Reisetaschen im Bus zu
verstauen und winken zum Abschied, als die Gruppe um Punkt 9.30 Uhr das Schulgelände
verlässt. Spätestens jetzt werden alle Schüler, Lehrer und Betreuer vom
Reisefieber gepackt.

Auf
dem Flughafen in Düsseldorf herrscht hektisches Treiben und daher vergeht
einige Zeit, bis alle Koffer, Taschen, Kisten und Instrumente der Rur-Rock-Band
am Schalter von Pulkovo Airlines aufgegeben sind.
Als
wir in St. Petersburg landen, ist es leider kalt und regnerisch. Nach längerem
Warten auf die Koffer, werden wir noch am Flughafen von Swetlana, einer Lehrerin
des HPZ begrüßt. Auf dem Parkplatz spielt ein Trompeter die deutsche
Nationalhymne. Um kurz vor 20 Uhr Ortszeit fahren wir mit dem Bus weiter,
Richtung Pskow.
Auf der Fahrt bekommen Schüler und Lehrer einen ersten Eindruck von Russland. Erschöpft erreichen wir um kurz nach 2 Uhr Nachts unser Ziel; das Feriendorf der russischen Zentralbank in Kriwsk bei Pskow.
Swetlana,
die stellvertretende Schulleiterin des HPZ, und Jelena, eine Lehrerin, empfangen
uns herzlich. Alle sind froh, endlich am Ziel zu sein.
Schnell
werden noch die Zimmer verteilt, danach fallen wir todmüde und erschöpft von
der langen Reise in die Betten.
Montag, 21.05.01

Nach
einer relativ kurzen Nacht treffen wir uns um 10 Uhr morgens zum ersten
gemeinsamen Frühstück. Zu unserer großen Überraschung gibt es zunächst
Brei, danach Fisch und Kartoffelpüree. Andere Länder, andere Sitten...
Endlich
treffen wir auch die Schüler des HPZ und des Musikcolleges, die zusammen mit
Rur-Rock musizieren werden.

Bis
zum Mittagessen bleibt noch etwas Freizeit, so kann jeder das Gelände und die
verschiedenen Zimmer auf eigene Faust erkunden.

Nach
einer kurzen Pause und „Soundcheck“ steht der ersten Probe dann nichts mehr
im Weg. Die Zusammenarbeit klappt auf Anhieb und die Band wird durch ein neues
Instrument bereichert. Tamara, eine College-Studentin verfeinert den Klang durch
ihr Akkordeon. Auch die Sänger und Schlagzeuger haben tat- und gesangskräftige
Unterstützung bekommen. Die Rur-Rock-Band zählt jetzt 34 Workshop-Teilnehmer.
Nach der gelungenen Probe werden später beim Essen Partypläne für den Abend
geschmiedet.

Das
große Foyer des Gemeinschaftshauses ist ein perfekter Discoraum mit großer
Tanzfläche, Musikanlage und Lichteffekten.
Dienstag, 22.05.01

Nach
dem gemeinsamen Frühstück treffen sich alle zur Vormittagsprobe, dabei üben
die Schlagzeuger besonders Rhythmen und Tonparameter.
Die
Sänger „basteln“ in der Zwischenzeit an russischen Passagen, die in die
englischen und deutschen Liedtexte eingefügt werden. Außerdem werden besonders
die Solopassagen geübt. Die Zusammenarbeit macht Allen großen Spaß.

Auch
nach der Mittagspause wird konzentriert geprobt und die Stimmung ist gegen Ende
so gut, daß sich Kai, „der Mann von der Presse“, zu einem spontanen
Schlagerkonzert hinreißen läßt. Musikalisch begleitet von den Lehrern und
Pascha am Schlagzeug, gibt er Hits wie „17 Jahr, blondes Haar“ zum Besten.
Die Schüler sind begeistert.
Mittwoch, 23.05.01

Heute
trifft sich die Gruppe schon eine Stunde früher zum Frühstück, denn ein
Ausflug nach Pskow steht auf dem Programm.
Danach
bleibt noch Zeit für Gespräche mit neuen und „alten“ Bekannten.
Weiter
geht es zum Pskower Kreml, dem Wahrzeichen der Stadt aus dem 13. Jahrhundert.
Vor dem wunderschönen Zwiebelturm-Bau werden unzählige Fotos „geschossen“.
Besonders faszinierend ist jedoch der Innenraum der Kirche. Im Gegensatz zu
deutschen Kirchen befinden sich dort keine Sitzbänke oder Kanzeln, dafür aber
meterhohe Wandbemalungen, Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen.
Anschließend
spazieren wir durch die alten Stadtmauern bis hinunter zum Fluss. Endlich haben
wir auch etwas von der Stadt Pskow kennengelernt.

Die
Probe fällt heute etwas kürzer aus, und da das Wetter besser geworden ist,
sitzen viele Schüler noch draußen auf den Holzbänken vor den Häusern.
Donnerstag, 24.05.01, Vatertag
Während
des Frühstücks bekommen die Rur-Rocker Besuch aus Deutschland. Um das morgige
Konzert mitzuerleben, sind Bernd Schleberger, Sabine Kraft und Heribert Kamps,
der Schulleiter der Hauptschule, zusammen mit drei Abgeordneten des Kreises
Heinsberg nach Pskow gereist.
Bernd
Schleberger, Sabine Kraft und Heribert Kamps werden den ganzen Tag in Kriwsk
verbringen, und auch bei der Generalprobe am Abend dabei sein.
Nach
einer kurzen gemeinsamen Probe am Vormittag, hat die Band eine kleine Überraschung
für alle Väter in der Gruppe vorbereitet. Nachdem mehrere Ständchen gesungen
sind, bekommt jeder Vater als Geschenk eine kleine Flasche Wodka überreicht.
Am
Nachmittag ist dann Freizeit, die besonders für sportliche Aktivitäten genutzt
wird. Etwa 20 Schüler, Lehrer und Betreuer besuchen das tolle Hallenbad; eine
andere Gruppe trifft sich zu Ballspielen in der Turnhalle.
Um
20 Uhr beginnt dann die Generalprobe, zu der auch andere Gäste des Feriendorfes
gekommen sind.
Zunächst
müssen noch kleinere tontechnische Probleme aus dem Weg geräumt werden, aber
danach läuft alles „wie geschmiert“.
Schnell
wird deutlich, daß sich die harte Probenarbeit der letzten Tage gelohnt hat.
Die verschiedenen Musiker sind zu einer Band zusammengewachsen und
harmonieren perfekt.
Besonders
die russischen Lieder werden von den Zuschauern mit viel Applaus belohnt. So
wird schon die Generalprobe zu einem kleinen Konzert.

Freitag, 25.05.01
Heute
ist der große Tag...
Beim
Frühstück bespricht Swetlana mit uns den Tagesablauf und das Programm des
Konzerts.
Danach
ist bis zum Mittagessen Freizeit, die viele zu einem weiteren Spaziergang zum
See nutzen. Einige Lehrer fahren schon jetzt zur Philharmonie, um die
Instrumente und die Technik vorzubereiten.
Die
Stimmung in den Bussen ist wie immer sehr gut, viele erzählen oder singen sich
schon mal warm. Nach ca. 30 Minuten Busfahrt, kommt die Gruppe an der
Philharmonie in Pskow an und wird wie vom Blitz getroffen, als sich
herausstellt, das Jasmin in Kriwsk zurückgeblieben ist. Ein wirklich großer
Schreck.
Nach
kurzer Überlegung ruft Swetlana im Feriendorf an und organisiert einen
Fahrdienst, der Jasmin zum Konzert bringt.
Unterdessen
ist in der Halle der Soundcheck in vollem Gang. Die Philharmonie ist sehr groß
und auf der Bühne ist genug Platz. Alle sind vom Klang der Musikanlage und der
Instrumente begeistert. Auch das Lampenfieber steigt...
Um
17 Uhr trifft zu unserer großen Erleichterung auch Jasmin endlich ein. Sie ist
wohl die Einzige, die in der Situation gelassen geblieben ist.
Die
ersten Zuschauer versammeln sich im Foyer und in den Künstlergarderoben steigt
die Vorfreude.
Als
um 18 Uhr das Konzert beginnt, sind ca. 800 von 900 Plätzen des Saals besetzt.
Swetlana betritt in einen wunderschönen grünen Abendkleid die Bühne. Sie ist
die Moderatorin des Konzerts. Die Rur-Rock-Band hat zunächst noch Pause und
kann den ersten Teil des Konzerts aus dem Zuschauerraum verfolgen.
Das
Konzert beginnt mit Jazz-Klängen, danach spielen russische Rock- und
Popgruppen. Unter ihnen sind auch die Studenten des Musikcolleges und der in
Russland bekannte Sänger Jan Ossin. Nach der Pause hält zunächst der Bürgermeister
der Stadt eine Rede. Er spricht von dem Konzert als ein „historisches
Ereignis“. Auch die Schulleiter beider Schulen halten kurze Ansprachen. Der
Erlös des Konzertes wird an die russischen Internate gespendet.

Nach
einer kurzen musikalischen Einführung durch die Schlagzeuger, beginnt das
Programm mit „See you later, Aligator“. Die Zuschauer sind sofort von den
rockigen Schlagzeug- und Gitarrenklängen, sowie dem Gesang von „Front-Mann“
Daniel und den anderen Sängern begeistert.
Das
nächste Lied „Let it be“ ist zur Zeit in Russland sehr beliebt und wird häufig
im Radio gespielt. Das Publikum erkennt es sofort und viele Zuschauer singen
spontan den Refrain mit.
Bei
dem Song „We are the world“ von Michael Jackson wird ein großer Erdball
durch die Reihen des Publikums gereicht. Jeder möchte die Weltkugel anfassen
und sie weitergeben. Nach dem Lied ruft das Publikum begeistert: „Ihr seid
gut!; Ihr seid gut !“
Weiter
geht es dann mit einem russischen Lied über Mädchen in Miniröcken. Auch hier
singen viele Zuschauer den Text mit.
Etwas
ganz Besonderes ist das Lied „Alice“, das ebenfalls zur Zeit ein großer Hit
in Russland ist. Die Rur-Rock-Band singt es, zusammen mit Swetlanas Mann Vadim,
mit einer englischen , einer deutschen und einer russischen Strophe. Im
Zuschauerraum sind besonders die jungen Leute kaum noch auf ihren Stühlen zu
halten.
Der
krönende Abschluss des Konzerts ist die von Vadim komponierte Hymne des
Musikworkshops. Alle mitwirkenden Künstler kommen noch einmal auf die Bühne
und die Studentin Anja, Jan Ossin und Klaus Hurtz singen die Strophen in
russisch und deutsch. Viele Band-Mitglieder und Zuschauer sind den Tränen nah.
Selbst
nach einer Zugabe wollen der tosende Beifall und die „Ihr seid gut!“-Rufe
kaum enden. Alle Künstler bekommen vom Publikum Blumen überreicht.
Das
Konzert war ein voller Erfolg und überglücklich umarmen sich die Schüler,
Lehrer, Betreuer, Freunde und Fans.
Die
Küche im Feriendorf hat extra für uns länger geöffnet, so daß wir um 23.30
noch ein warmes Abendessen bekommen.
Samstag, 26.05.01

Als
wir dort ankommen, ist das gesamte Schulgelände mit bunten Fähnchen und
Luftballons geschmückt. Überall sind Spielgeräte aufgebaut, Musik klingt
durch die Räume und wir werden von Schülern, Lehrern, Eltern, Betreuern und
Therapeuten begrüßt. Natürlich gibt es von allen Seiten noch viel Lob und
Anerkennung für das gestrige Konzert.
Da
es zu regnen beginnt, wird das Programm in das Foyer der Schule verlegt. Die Schüler
und Lehrer haben eine lustige Modenschau vorbereitet, an der neben den
russischen Schülern auch Martin von der Rurtal-Schule und Katharina von der
Hauptschule teilnehmen. Die beiden Schulleiter treten ebenfalls, in Fahnen gehüllt,
als „Dressmen“ auf. Außerdem wird ein kleines Theaterstück über Sterne
aufgeführt.
Neben
den Vorführungen gibt es noch verschiedene Spiele, Fantasie-Schminken,
Live-Musik, Tanz und ein leckeres Büffet treffen uns heute schon um 9 Uhr
morgens zum letzten gemeinsamen, russischen Frühstück, denn das Schulfest im
HPZ steht auf dem Programm.
Als
Erinnerung an dieses besonders schöne Fest, wird ein Kastanienbaum auf dem Gelände
des HPZ gepflanzt. Leider müssen wir uns schon jetzt von unseren russischen
Freunden verabschieden.

Um
14 Uhr fahren wir noch einmal in die Pskower Innenstadt. In Kleingruppen haben
wir dann Gelegenheit, Andenken oder Geschenke zu kaufen. Einige nutzen die Zeit
auch, um Fotos von Sehenswürdigkeiten zu machen, oder über den Markt zu
schlendern.
Nach
dem letzten Abendessen bedankt sich die Gruppe mit kleinen Geschenken bei dem
sehr netten Personal des Feriendorfes.
Sonntag, 27.05.01

Mitten
in der Nacht werden wieder alle Taschen, Koffer, Kisten und Instrumente in den
Reisebus geladen, der uns zum Flughafen bringt. Um 3 Uhr verlassen wir Kriwsk.
In Pskow verabschieden sich dann auch Swetlana, Pascha und Jelena von uns. Die
Woche verging für die meisten Teilnehmer viel zu schnell, und daher kann man es
kaum fassen, daß die so lange geplante Reise schon wieder zu Ende geht.

In Düsseldorf
werden, kurz nach der Landung, Eltern, Familie und Freunde angerufen. Als wir
dann um 15.30 Uhr endlich in Oberbruch ankommen werden wir natürlich schon
freudig erwartet.
Eine
erlebnisreiche Woche geht damit zu Ende und zu Hause haben alle Teilnehmer sehr
viel zu erzählen.