Pskow Kremlin

Aufbau eines Förderzentrums für Kinder mit

(geistigen) Behinderungen im Vorschulalter in Pskow/Russland

 

 
 

 

 

 

 

Die Rurtal-Schule und das HPZ Pskow, die beispielhafte Einrichtung der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg,  brachten die schulische Förderung von Pskower Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen im Alter von 6 – 19 Jahren auf einen hohen Standard. Für die erwachsen werdenden Schüler/innen entstand im Sommer 2001 durch den Druck der aus dem HPZ entlassenen Schüler/innen mit Hilfe rheinischer Christen eine Werkstatt für Behinderte auf dem Nachbar­gelände. Somit waren die Förderbereiche der Schule und der Erwachsenen abgedeckt.  

Bei der Förderung von Kindern mit geistigen Behinderungen im Vorschulalter bestand jedoch noch eine Lücke. Rurtal-Schule und das HPZ haben die Stadt Pskow hartnäckig da­rauf gedrängt, diese Lücke zu schließen. Im Herbst 2001 beschloss die Stadt Pskow nach zähen Verhandlungen trotz einer äußerst angespannten Haushaltslage die Einrichtung des Förderzentrums in ihrer Trägerschaft. Hier wurden die diagnostischen, therapeutischen und pädagogischen Voraussetzungen für eine gezielte Förderung von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter (0 – 6 Jahre) geschaffen, insbesondere für Kinder mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, die mit 6 Jahren Aufnahme in das HPZ Pskow finden sollen. Im Januar 2003 hat das Förderzentrum mit der Arbeit begonnen! 

Für das Förderzentrum sind 11 Planstellen vorgesehen, bestehend aus Physiotherapeuten, Psychologen, Pädagogen, Logopäden und Ärzten, die im interdisziplinären Kontext individuelle Förderprogramme auch in intensiver Zusammenarbeit mit den Eltern entwickeln. Für die Unterbringung des Förderzentrums sind die Räume im Untergeschoss des Kinder-Rehazentrums Pskow in der Stachanwoskaja Straße bereitgestellt worden, die jedoch stark sanierungsbedürftig sind. 

Die Rurtal-Schule Heinsberg-Oberbruch und das Heilpädagogische Zentrum Pskow wurden von der Stadt Pskow gebeten bzw. beauftragt, das neue Förderzentrum in konsequenter Orientierung an die pädagogische Arbeit und Intention des HPZ aufzubauen. Diese Aufbauarbeit umfasst kurz- und mittelfristig die Entwicklung eines Arbeitskonzeptes, die inhaltliche Begleitung des Förderzentrums, die Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbei­ter/innen und die Sanierung der zur Verfügung stehenden Räume. Rurtal-Schule und HPZ werden das Förderzentrum auf Bitten der Stadt Pskow auf der inhaltlichen und fachlichen Ebene langfristig begleiten und Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen koordinieren.  

Das Förderzentrum soll Kinder mit geistigen Behinderungen ganzheitlich fördern. Das bedeutet, dass Medizin, Therapie und Pädagogik eng und disziplinübergreifend zusammenarbeiten müssen, eine im russischen Gesundheits- und Bildungswesen völlig neue Situation. Insbesondere der pädagogische Bereich als wesentlicher Teil der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit wird eine bisher nicht gekannte Rolle spielen und für alle Mitarbeiter/innen eine neue Erfahrung bedeuten.   

Durch Hospitationen, praktische Erfahrungen und Fortbildungen sowohl in Russland als auch in Westeuropa (Deutschland) soll nicht nur die fachliche Kompetenz erweitert werden, sondern durch die Vermittlung eines veränderten Menschenbildes eine neue, persönlichkeitsorientierte Kultur der Förderung von (geistig) behinderten Menschen aufgebaut werden.  

Die Förderung der (Klein-) Kinder wird in freundlichen, hellen Räumen mit entsprechendem Inventar stattfinden. Die bestehenden Räume sollen nun Schritt für Schritt „bausteinartig“ saniert werden. Die Stadt Pskow hat den Wassertherapiebereich aus eigenen Mitteln bereits komplett renoviert.   

Die Rurtal-Schule konnte aus ihren Mitteln, die ihre Schüler/innen durch eigene Aktivitäten und Konzerte „erwirtschaftet“ haben, für die Sanierung von zwei Räumen und Anschaffungen bereits 17.000,00 € zur Verfügung stellen! Das deutsch-russische Musikprojekt „Spuren legen .... für Frieden, Toleranz und Integration“ im Mai 2003 in Pskow mit Schüler/innen der Rurtal-Schule und des HPZ hat durch ihre Benefizaktion noch einmal 8.300,00 € eingebracht! Damit schenkte die deutsch-russische Schüler- und Projektband „MbI BMECTE – Wir zusammen“ den Kindern des Förderzent­rums einen „appetitlichen“ Pflege- und Wickel­raum. 

Damit nicht genug: Aus dem RTL-Spendenmarathon im November 2002 wurden der Rurtal-Schule 95.000,00 € zur Sanierung des Förderzentrums zur Verfügung gestellt, eine Folge des WDR-Kinderrechtepreises 2002 für die Schülerband „Rur-Rock – Wir zusammen“ für ihr Engagement für behinderte Kinder in Pskow. Damit können bis zum März 2004 alle Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen werden! Die Rurtal-Schule Heinsberg-Oberbruch wird bis dahin mindestens 136.500 € aus eigenen Mitteln und durch Einwerbung von Fördermitteln für Sanierung, Fortbildung und Anschaffung von Fördermaterialien bereitgestellt haben!   

Für Qualifizierung und Fortbildung gibt auch die Stadt Neuss, Partnerstadt von Pskow gemeinsam mit ihrem Kindertherapiezentrum „Am Kivitzbusch“ tatkräftige und kompetente Hilfestellung.  

Das Projekt Förderzentrum .....   

§               geht auf die Eigeninitiative der russischen und deutschen Projektpartner zurück und ist ein echtes Kooperationsprojekt.  

§               wird durch die Rurtal-Schule und ihre Schüler/innen mit eigenen Aktionen und Initiativen Schritt für Schritt mit „Bausteinen“ zum Aufbau des Förderzentrums finanziert. 

 

§               ermöglicht dem HPZ nach einer anfänglichen Phase der Abhängigkeit vom deutschen Partner nun in Eigenverantwortung ein wichtiges zukunftsorientiertes russisches Projekt für Geistigbehinderte aufbauen zu können. Hier wird Hilfe zur Selbsthilfe in bester Weise lebendig. 

§               hat nicht nur die Sanierung von Räumen zum Ziel, sondern von Anfang an die fachliche und inhaltliche Begleitung und Schulung der Mitarbeiter/innen. 

§               lässt für geistigbehinderte Pskower Kinder mit dem Förderzentrum die Zukunft erstmals bereits im Kleinkindalter beginnen. 

Mit der Einrichtung des Förderzentrums entsteht in Pskow eine für Russland einmalige Situation: Menschen mit geistigen Behinderungen erfahren im Vorschul-, Schul- und Erwachsenenbereich eine qualifizierte Förderung und Betreuung. Was mit dem Heilpädagogischen Zentrum 1993 mit der Förderung von Kindern und Jugendlichen im Schulalter begonnen wurde, erfährt nun eine Abrundung der Arbeit mit und für Menschen mit geistigen Behinderungen in dieser russischen Stadt.