Hintergrund
Im Schuljahr 2000/2001 führten die Rurtal-Schule
Oberbruch und das Heilpädagogische Zentrum Pskow ein gemeinsames Musikprojekt
mit dem Thema „Interkulturelles Lernen, Verständigung und Kommunikation
– Menschen mit und ohne Behinderungen begegnen sich in der Musik“ durch.
Partner in diesem Projekt waren die Hauptschule Oberbruch und das College für
Kultur und Kunst Pskow. Der Abschluss dieses Projektes bildete der „Integrative
Workshop Musik“ im Mai 2001, in dem sich Schüler/innen mit und ohne
Behinderungen aus vier deutschen und russischen Schulen begegneten. Die
gemeinsame Musik war ein wesentliches Mittel der Verständigung und
Kommunikation. Die Workshopband nannte sich „MbI
BMECTE – Wir zusammen“ und feierte mit einem umjubelten
Auftritt am 25. Mai 2001 in der Pskower Philharmonie vor über 800 Zuhörern
einen grandiosen Erfolg.
Das Konzert fand unmittelbar vor dem 60. Jahrestag des Einmarsches deutscher Truppen in Russland und in Pskow statt und setzte schon zu diesem Zeitpunkt ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens, auch deshalb, weil die Schülerband über 17.000,-- DM für die besonders benachteiligten Kinder in den beiden Pskower Heimen für Geistigbehinderte einspielte. Die Begeisterung in der Bevölkerung, bei Politikern und in der Stadtverwaltung war so groß, dass die Stadt Pskow nach diesem „bewegenden und historischen Ereignis“ bat, ein weiteres Konzert zum ebenfalls historischen Ereignis, dem 1100jährigen Stadtjubiläum im Jahre 2003 zu veranstalten.
Im gleichen Jahr feiert das Heilpädagogische Zentrum Pskow sein 10jähriges Bestehen. „Versöhnung mit der Sowjetunion" – das war das Stichwort, das das Projekt Heilpädagogisches Zentrum Pskow 1991, 50 Jahre nach dem Überfall deutscher Truppen auf Russland, auf den Weg brachte. Das HPZ konnte 1993 nach tatkräftiger Hilfe der Rurtal-Schule eingeweiht werden.
Entwicklung des Projektthemas und Intention:
Das Musikprojekt 2000/2001 war auf Interkulturelles Lernen, Verständigung und Kommunikation mit Hilfe von Musik angelegt. Die Begegnung zwischen den Schülern/innen der vier beteiligten Schulen aus Deutschland und Russland war ein wesentlicher Schwerpunkt des Integrationsprojektes, wobei eine große Außenwirkung erwartet wurde. Diese Wirkung ist u. a. auch mit dem Konzert am 25. Mai 2001 in großartiger Weise erzielt worden.
Menschen mit geistigen Behinderungen verstehen nicht in allen Lebensbereichen komplexe Zusammenhänge, eine geschichtliche und räumliche Orientierung ist nur sehr eingeschränkt möglich. So sind die wechselvollen und oft bitteren historischen Verbindungen zwischen Deutschland und der Bevölkerung der Stadt Pskow nur schwer vermittelbar. Dennoch werden Fragen gestellt, weil unsere Schüler/innen solche Begriffe wie Krieg, Soldaten, Gewalt, Armut, Freundschaft, Liebe durchaus einzuordnen wissen und auch die unterschiedlichen Lebensbedingungen in Deutschland und Russland spüren bzw. erkennen.
„Deutsche Spuren in einer russischen Stadt“ – so heißt der Titel eines Buches, das 1997 in deutscher und russischer Sprache aufgelegt wurde und in dem die wechselvolle und oft leidvolle deutsch-russische Geschichte am Beispiel der Stadt Pskow beschrieben wird. Dieses Buch, von den Schüler/innen in die Hand genommen, durchgeblättert und „gelesen“ brachte sie auf die „Spur“ des neuen Projektes.

Es entwickelte sich im Dialog zwischen den Partnerschulen die Idee nicht Spuren der Vergangenheit zu suchen, sondern selber Spuren des Friedens, der Toleranz und der Integration zu legen, wobei ein dicker Fußstapfen durch die Projektpartner bereits mit dem „historischen“ Konzert am 25. Mai 2001 gesetzt wurde. Das Bild der (Fuß)-Spuren die Wege beschreiten, hat Gegenwartsbezug und Zukunftsorientiertheit und ist für Schüler/innen mit geistigen Behinderungen anschaulich und nachvollziehbar. Mit den Kompetenzen insbesondere der Schüler/innen der Rurtal-Schule mit der Schülerband „Rur-Rock“ sollen diese Spuren musikalisch gelegt werden, da Musik ein vorzügliches Mittel der Kommunikation und Verständigung über nationale, kulturelle und sprachliche Grenzen und über Grenzen des Anders- und Fremdseins hinweg ist.
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„Da Kriege im Geiste der Menschen entstehen, müssen Bollwerke des Friedens im Geiste der Menschen errichtet werden.“ (Aus der Präambel der UNESCO-Verfassung) |
Unmittelbar nach dem großen Friedenskonzert der Projektband „MbI BMECTE – Wir zusammen“, wird am 1. Juni der Weltkinderschutztag der UNESCO begangen. Aus diesem Anlass und als Zeichen der Solidarität wollen deutsche wie russische Schüler/innen mit dem Erlös des Konzertes wieder Kinder mit Behinderungen in Pskow unterstützen.
Sowohl Rurtal-Schule als auch Heilpäd. Zentrum bewerben sich zur Zeit um die Anerkennung als UNESCO-Projektschule. Aufgabe und Zielsetzung der UNESCO ist es, durch Förderung internationaler Zusammenarbeit in Erziehung, Wissenschaft und Kultur zur Völkerverständigung sowie zur Sicherung der Menschenrechte und des Friedens beizutragen.
Unser geplantes Projekt für Frieden, Toleranz und Integration entspricht bereits den Grundsätzen und Zielvorgaben der UNESCO-Projektschulen:
- Menschenrechte verwirklichen,
- Anderssein der anderen akzeptieren,
- Umwelt (kulturelle und natürliche) schützen und bewahren,
- Armut und Elend bekämpfen.
