
Podiumsdiskussion in der Rurtal-Schule am 26.2.2002:
25 Jahre Rurtal-Schule - zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Förderung und Unterricht von SchülerInnen mit einer geistigen Behinderung
Auf
dem Hintergrund des 25-jährigen Jubiläums der Rurtal-Schule im November 2001
fand am 26.2.02 in der Rurtal-Schule eine öffentliche Podiumsdiskussion statt.
Obwohl
in der zur Zeit oft diskutierten Pisastudie Sonderschulen ausgespart blieben,
muss sich auch eine Schule für Geistigbehinderte der öffentlichen Diskussion
stellen. Sonderschulen kosten viel Geld und ihr wirtschaftlicher Nutzen ist kaum
abschätzbar.
So
wird beispielsweise provokativ gefragt, ob eine Schule für Geistigbehinderte
lediglich eine „Wohlfühl- oder Spielschule“ sei, die mit richtigem
Unterricht eigentlich gar nichts zu tun habe. Zudem würden die Unterrichtsfächer
Lesen, Schreiben und Rechnen nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Eltern
behinderter Kinder müssen selber zunächst in einem längeren Prozess lernen,
die Behinderung ihres Kindes anzunehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass in der
heutigen Gesellschaft Menschen mit einer Behinderung immer noch nicht so
akzeptiert werden, wie es wünschenswert wäre. Wichtig wäre hier noch der
Ausbau der Zusammenarbeit mit den Kindergärten, um die bei Eltern vorhandene
Schwellenangst gegenüber der Schulform „Schule für Geistigbehinderte“
abzubauen.
Den
geistigbehinderten Menschen gibt es nicht. Eine solche diskriminierende
Beschreibung sollte
durch eine Sichtweise ersetzt werden, wie sie im angloamerikanischen Raum
verwendet wird. Hier ist von Menschen mit besonderen Bedürfnissen (special
needs) die Rede.
Schulleiter
Bernd Schleberger betont, dass gerade die Rurtal-Schule eine Integrationsschule
sei, in der das Erlernen sozialen Verhaltens und das Zurechtfinden in der realen
Lebenswelt wichtige
Lernziele darstellen.
Diese
Lernziele werden natürlich auch im gemeinsamen Unterricht durch alltägliche
Lernsituationen angestrebt.
Der
gemeinsame Unterricht in der Grundschule bzw. später in der weiterführenden
Schule und die Förderung in einer Schule für Geistigbehinderte besitzen sowohl
Vor- als auch Nachteile.
Beide Förderorte sollten als gleichberechtigt angesehen werden. Sicherlich kann
die Kooperation hier noch verbessert werden.
Sonderpädagogin
Carmen Cüppers, die sowohl im gemeinsamen Unterricht und in der Rurtal-Schule tätig
ist, sieht das „Fitmachen“
für den Alltag
als die Hauptaufgabe beider Fördereinrichtungen an.
Schulamtsdirektorin
Christel Preuschoff weist daraufhin, dass immer im Rahmen einer
Einzelfallentscheidung der zukünftige Förderort eines behinderten Kindes
ausgewählt werde. Dabei schränken fehlende Rahmenbedingungen die Möglichkeit
des gemeinsamen Unterrichts ein.
In
der Rurtal-Schule wird individuell vom Kind ausgegangen. Darauf sind auch die
Unterrichtsinhalte der Schule für Geistigbehinderte abgestimmt.
Unterschiedliche
Lernvoraussetzungen bringen es mit sich, dass auch die Eltern unterschiedliche
Schwerpunkte für die Förderung ihrer Kinder sehen.
Die
in der Rurtal-Schule praktizierte Elternarbeit wird insgesamt positiv gesehen.
Der Schulpflegschaftsvorsitzende Herr Gehrmann fordert jedoch die Eltern auf,
sich selbst mit ihren Anliegen und Interessen noch mehr einzubringen.
Als
eine offene Schule hat sich die Rurtal-Schule seit ihrer Gründung gezeigt. Das
belegt u. a. die
langjährige Zusammenarbeit mit der benachbarten Hauptschule im Rahmen vieler
integrativer Projekte und gemeinsam durchgeführter Unterrichtsvorhaben. Zudem
sind Gäste und Besucher jederzeit willkommen.
Frau
Haupt, Mutter
einer Tochter, die vor einigen Jahren von der Schule für Lernbehinderte
gekommen ist, sieht für ihre Tochter eine sehr positive Entwicklung seit dem
Besuch der Rurtal-Schule. Ihre Tochter sei selbstbewusst und glücklich geworden
und besuche gerne die Schule. In der gleichen Weise äußert sich auch Frau
Wilms, deren Töchter jetzt in der Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe
e.V. Heinsberg arbeiten und sich nach ihren Worten in der Rurtal-Schule zu „prächtigen
Persönlichkeiten“
entwickelt haben.
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Von lins nach rechts: Erika Wilms, Ina Petschmann (Initiative Integration), Heide Haupt, Marita Winkler u. Bernd Schleberger |
Von links nach rechts: Bernd Schleberger, Willi Gehrmann, Daniel Seifert, Carmen Cüppers u. Andrea Schwarz-Abassian (Lebenshilfe e.V.) |
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Moderator Johannes Schumacher im Publikum
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