Das Schulprogramm der Rurtal-Schule

Stand 1.3.2006

                                                    Gliederung

1. Vorwort  

2. Grundlagen und Ziele sonderpädagogischen Arbeitens

2.1 Rahmenbedingungen

2.2 Sonderpädagogische Ausbildung und Fortbildung

2.3 Sonderpädagogische Prinzipien

2.4 Förderdiagnostik und sonderpädagogische Förderung  

3. Unterricht

3.1 Organisation

3.2 Unterrichtsformen

3.3 Stufenkonzepte

3.3.1 Vorstufe

3.3.2 Unterstufe

3.3.3. Mittelstufe

3.3.4 Oberstufe

3.3.5 Berufspraxisstufe

3.4 Unterrichtsinhalte

3.4.1 Kommunikation

3.4.2 Schwerstbehindertenförderung

3.4.3 Entspannung und Snoezelen

3.4.4 Kulturtechniken

3.4.4.1 Lesen und Schreiben

3.4.4.2 Mengen und Zahlen

3.4.5 Computer

3.4.6 Wahrnehmung

3.4.7 Lebenspraktisches Training

3.4.8 Sachunterricht

3.4.9 Sexualerziehung

3.4.10 Verkehrserziehung

3.4.11 Ästhetische Erziehung

3.4.12 Bewegung    

3.4.13 Religion

3.4.14 Musik

3.4.15 Theater und Tanz

3.4.16 Arbeitsbereiche

3.5 Außerschulische Lernorte  

4. Außerunterrichtliche Aktivitäten  

5. Öffentlichkeit  

6. Perspektiven

                

1. Vorwort  

Mit dem  Erlass vom 15. Juli 1997 wurde den Schulen in NRW der Auftrag erteilt, ein Schulprogramm zu erarbeiten, in dem die grundlegenden pädagogischen Ziele einer Schule formuliert werden sollen.

Die Schulprogrammarbeit stellt ein langfristiger Lern- und Arbeitsprozess dar (vgl. Schriftreihe Schule in NRW, Nr. 9027-Schulprogramm - eine Handreichung. Düsseldorf, 1998, S.24), an deren Beginn eine Bestandsaufnahme und eine Zielvereinbarung zu setzen sind. Gemäß § 3 des Schulgesetzes  des Landes NRW vom 15.2.2005 muss das Schulprogramm regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden.

Am 14.12.2005 wurden im Rahmen einer pädagogischen Konferenz fünf Leitsätze für die pädagogische Arbeit an der Rurtal-Schule erarbeitet und beschlossen. Diese Leitsätze müssen in der Zukunft mit den Jahrgangsstufenkonzepten verknüpft werden.  

Das Schulprofil der Rurtal-Schule (vgl.: PHILIPP, E. /ROLFF, H.-G.: Schulprogramme und Leitbilder entwickeln, Weinheim und Basel 1999, S. 17) lässt sich  durch eine Vielzahl von aktuellen Aktivitäten  charakterisieren.  

Der Lebens- und Lernraum Rurtal-Schule  umfasst eine Vielzahl von Bereichen, die in ihrem Zusammenwirken immer als eine Ganzheit gesehen werden muss.  

                     

2. Grundlagen und Ziele sonderpädagogischen Arbeitens  

Gemäß den Richtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen verfolgt die Schule für Geistigbehinderte die Leitidee, dem Menschen mit geistigen Behinderung die Selbstverwirklichung in sozialer Integration zu ermöglichen (vgl. RICHTLINIEN UND LEHRPLÄNE FÜR DIE SCHULE FÜR GEISTIGBEHINDERTE NRW, Köln 1980).

Dazu müssen die folgenden Fähigkeiten gefördert und entwickelt werden:

  1. Fähigkeit zum Erfahren der eigenen Person und zum Aufbau eines Lebenszutrauens,
  2. Fähigkeit, sich selbst zu versorgen und zur Sicherung der eigenen Existenz beizutragen,
  3. Fähigkeit, sich in der Umwelt zurechtzufinden und sie angemessen zu erleben,
  4. Fähigkeit, sich in der Gemeinschaft zu orientieren, sich einzuordnen, sich zu behaupten und sie mitzugestalten und
  5. Fähigkeit, die Sachumwelt zu erkennen und mitgestalten zu können.

Für die pädagogische Arbeit an der Rurtal-Schule gelten die folgenden Leitsätze:

  1. Wir begegnen uns mit Wertschätzung und Respekt.
  2. Unsere Schule ist für alle ein Lebensraum, in dem sich jeder wohl fühlt.
  3. Wir fördern unsere Schüler individuell und ganzheitlich.
  4. Wir fördern Selbstbestimmung und leben Integration.
  5. Verantwortungsvolle Teamarbeit ist die Basis unserer schulischen Arbeit.

                

2.1 Rahmenbedingungen  

Die Rurtal-Schule wurde im Jahr 1976 eingeweiht. Sie ging aus den Tageseinrichtungen der Lebenshilfe, der Caritas und einem psychiatrischen Krankenhaus hervor. Zu Beginn des Schuljahres 2004/05 konnte der Erweiterungsbau in Betrieb genommen werden, der den berufsbildenden Bereich der Rurtal-Schule beherbergt.Träger und Einzugsgebiet der Rurtal-Schule ist der Kreis Heinsberg.  

Die Rurtal-Schule ist eine Ganztageseinrichtung,  wobei der Unterricht von Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 15.15 und am Freitag von 8.30 bis 12.00 Uhr stattfindet. Voraussetzung für den Besuch der Rurtal-Schule ist die Durchführung eines Verfahrens zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs.

In dem derzeit geltenden Schulgesetz  wird  gemäß § 6 AO-SF  eine  geistige Behinderung wie folgt definiert:

 "Geistige Behinderung liegt vor bei hochgradigen Beeinträchtigungen im Bereich der kognitiven Funktionen und in der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit und wenn hinreichende Anhaltspunkte dafür sprechen, dass die Schülerin oder der Schüler zur selbstständigen Lebensführung voraussichtlich auch nach dem Ende der Schulzeit auf Dauer Hilfe benötigt." (vgl.  Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke (Ausbildungsordnung gemäß § 52 SchulG – AO-SF vom 29. April 2005 geändert durch Verordnung vom 13. Juli 2005)  

Das ursprünglich für 15 Klassen bzw. 150 ausgelegte Gebäude beherbergt zurzeit 244 SchülerInnen in 24 Klassen (Stand März 2006).  

Mit dem sog. Schwerstbehindertenerlass von 1978 wurde die Schulpflicht bzw. das Recht auf schulische Bildung auch auf SchülerInnen mit einer schwersten Behinderung ausgedehnt. Ihr Anteil beträgt zurzeit 46% an der Schülerschaft der Rurtal-Schule.  

Als schwerstbehindert gelten Schülerinnen und Schüler

a) deren geistige Behinderung, Körperbehinderung oder Erziehungsschwierigkeit erheblich über die üblichen Erscheinungsformen hinausgeht oder

b) bei denen zwei oder mehr der Behinderungen Blindheit, Gehörlosigkeit, anhaltend hochgradige Erziehungsschwierigkeit, geistige Behinderung und hochgradige Körperbehinderung vorliegen.

(2) Feststellungen der Versorgungsämter nach dem Neunten Buch des Sozialgesetzbuches sind für die Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde gemäß Absatz 1 nicht maßgeblich (§10 AO-SF) .

Der Aufnahme in die Rurtal-Schule ist ein umfangreiches Verfahren vorgeschaltet, bei dem der sonderpädagogische Förderbedarf eines Kindes ermittelt und schließlich eine Entscheidung über den künftigen Förderort durch die untere Schulaufsicht (Schulamt des Kreises Heinsberg) getroffen wird. Als Förderort kann hier auch eine Grundschule mit dem gemeinsamen Unterricht  in Frage kommen, wenn dies die Eltern dies wünschen und Kapazitäten zur Verfügung stehen.

Dieses Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs   wird  in der Regel vor der Einschulung oder auch später  durchgeführt, wenn  sich Anhaltspunkte ergeben, dass zum Beispiel ein Schüler in einer Förderschule mit dem  Förderschwerpunkt „Lernen“  nicht mehr hinreichend gefördert werden kann.

Ein Probeunterricht kann ins Auge gefasst werden, wenn noch kein abschließendes Urteil über einen künftigen Förderort getroffen werden kann.

Der Gesetzgeber garantiert einen Bildungsgang von 11 Jahren. Die Berufsschulpflicht kann in der Werkstufe absolviert werden.  Der Besuch der Rurtal-Schule  endet in der Regel nach 12 Schulbesuchsjahren. In Ausnahmefällen ist auch eine Beschulung bis zum 25. Lebensjahr möglich, wobei eine 13-jährige Schulzeit am sinnvollsten erscheint.  

Die Gliederung und Altersstruktur der SchülerInnen in der Rurtal-Schule beschreibt die folgt. Tabelle:           

                         Tabelle 1: Verteilung und Altersstruktur der SchülerInnen – Stand 6.3.06  

 

Die SchülerInnen werden in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet.  

                   

2.2 Sonderpädagogische Ausbildung und Fortbildung  

Das Kollegium der Rurtal-Schule setzt sich im Wesentlichen aus Sonderschul-lehrerInnen und FachlehrInnen zusammen, die in den Klassenteams zusammenarbeiten. Ihre Arbeit wird durch Krankengymnasten, Logopäden, Ergotherapeuten und Zivildienstleistende unterstützt.

Die Kompetenz und Qualifikation der LehrerInnen wird durch häufige schulinterne oder anderweitige Fortbildungen erweitert.

Sehr intensive Kontakte zur Heilpädagogischen Fakultät der Universität Köln sind eine wertvolle Ergänzung und erhalten den Bezug zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.  

                   

2.3 Sonderpädagogische Prinzipien  

Der ganzheitliche und handlungsorientierte Ansatz bildet die Grundlage für die pädagogische Arbeit an der Rurtal-Schule.  Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht die  Gesamtpersönlichkeit eines Schülers. Dies bedeutet, dass in erster Linie von den  Möglichkeiten und Stärken der SchülerInnen bei der Planung und Durchführung des Unterrichtes  ausgegangen wird. Das wird durch Maßnahmen der Differenzierung und Individualisierung ergänzt.

                   

2.4 Förderdiagnostik und sonderpädagogische Förderung  

Bei jeder Schülerin und jedem Schüler wird jährlich überprüft, ob die Rurtal-Schule  auch für das kommende Schuljahr der geeignete Förderort ist.In diesem Sinne wird ebenfalls das Vorliegen einer schwersten Behinderung immer wieder neu festgestellt. Gemäß § 36 AO-SF muss zudem jährlich ermittelt werden, welche Schülerinnen und Schüler einen sog. Autismus aufweisen.Darüber hinaus werden förderdiagnostische Verfahren verwendet, um Erziehungs- und Lernziele im Sinne eines Förderplanes formulieren zu können.  

                   

3. Unterricht

3.1 Organisation  

Der elfjährige Bildungsgang der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ gliedert sich wie folgt:                       

Stufe

Verweildauer in Schuljahre

Vorstufe

2

Unterstufe

3

Mittelstufe

3

Oberstufe

3

Werkstufe

1

 

Die Schulpflicht in der Sekundarstufe II kann in der sog. Berufspraxisstufe bzw. Werkstufe erfüllt werden.  

 

                   

3.2 Unterrichtsformen  

Unterschiedliche Lern- und Leistungsvoraussetzungen bedingen unterschiedliche Formen der Vermittlung von Unterrichtsinhalten.

Die Basis jeglichen Unterrichts bildet der Klassenunterricht. Hier werden grundsätzliche Lerninhalte erarbeitet, die für das Zusammenleben in der Klassengemeinschaft von grundsätzlicher Bedeutung sind. Beim Morgenkreis werden alle SchülerInnen begrüßt, Erlebnisse ausgetauscht und mit dem Tagesplan als Orientierungshilfe der Ablauf des Tages geplant.  

Mit dem klassenübergreifenden Unterricht gelingt es, den  heterogenen Klassenstrukturen und der großen Bandbreite von Bedürfnissen der SchülerInnen  gerecht zu werden. So werden im Kursunterricht der Unterstufe und der Mittelstufe der Rurtal-Schule sowohl  angemessene „kulturtechnische“ Angebote  und den schwerstbehinderten SchülerInnen  ein geeignetes Lernfeld für Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse geboten.  

Bei der Einzelförderung können gezielt individuell abgestimmte Fördermaßnahmen eingesetzt werden.  

Arbeitsgemeinschaften (z.B. Fußball-AG, Rur-Rock – Wir zusammen) bieten darüber hinaus die Möglichkeit, stufenübergreifend tätig zu werden.  

Aus methodischer und didaktischer Sichtweise werden Unterrichtsinhalte in der Rurtal-Schule in der Form von Fachunterricht bzw. eines Lehrganges (z.B. Lesen und Schreiben) oder im Rahmen eines Vorhabens bzw. Projektes (z.B. Musical „Piraten suchen einen Schatz) vermittelt.

Beim letzteren wird von den Bedürfnissen, Fragen und Anregungen der SchülerInnen ausgegangen, die Aufgabenstellung fest umrissen und ein gemeinsames Handlungsziel angestrebt. Dabei wird die Eigeninitiative der SchülerInnen gestärkt und unter dem Einsatz aller Sinne handlungsorientiert gearbeitet und gelernt.

 

                     

3.3 Stufenkonzepte  

Die Stufen der Rurtal-Schule sind zurzeit damit beschäftigt, spezifische Konzepte für die Förderung zu entwickeln. Hier liegen die folgenden Zwischenergebnisse vor:  

3.3.1 Vorstufe  

Pädagogische Intentionen

Unterrichtsangebote

Elternarbeit

  1. Förderung der Selbständigkeit
  2. Förderung der Emotionalität (Ich-Identität, Selbstbewusstsein, Empathie, Frustrationstoleranz)
  3. Förderung der Kommunikation
  4. Förderung des Arbeitsverhaltens (Ausdauer, Konzentration, Motivation, verschiedene Sozialformen)

 

1. Lebenspraxis  

1.1 Räumliche, zeitliche Orientierung in der Klasse und Schule  

1.2 Hygiene u. Sauberkeitserziehung

1.3 An- und Auskleiden

1.4 Gemeinsame Malzeiten

1.5 Ämterplan  

2. Morgenkreis

2.1 Begrüßung und Lied

2.2 Stundenplan

2.3 Kalender

2.4 Erzählen

 

3. Frühstücksprojekt

3.1 Einkaufsgang

3.2 Frühstücksvorbereitung

3.3 Gemeinsames Essen (vgl. 2.1.4)

3.4 Aufräumen (vgl. 2.1.4 u. 2.1.5)

 

4. Hauswirtschaft

5. Sport und Psychomotorik#

6. Reiten

7. Musik in den einzelnen Klassen / klassenübergreifender Singkreis

8. Bildnerisches u. plastisches Gestalten

9. Wahrnehmungsförderung

10. Arbeit am Computer

11. Unterstützte Kommunikation

12. Sachunterricht

13. Spielerziehung

14. Freiarbeit u. Wochenplan

15. Individuelle Förderung einzelner Schüler/innen (Therapiebecken, basale Förderung, Einzelförderung in Kulturtechniken)

16. Sprache / Lesen / Schreiben (AGs)

17. Pränumerik und Numerik (AGs)

18. Klassenübergreifende Unterrichtvorhaben (z.B. Projektwochen)

1. Täglicher Informationsaustausch zwischen Schule und Elternhaus

2. Elterngespräche u. Hausbesuche

3. Elternfrühstück und andere Feste

4. Elternsprechtag

5. Hospitation von interessierten Eltern

6. Elternabende / Elternpflegschaft

 Dabei weist die Vorstufe die folgenden Besonderheiten auf:

1. Einschulung: Hospitation und Kontaktaufnahme in Kindergärten, Hospitation von Kindern und Eltern in der Schule und die Einschulungsfeier

2. Therapien: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie

3. Das AG-System  

                     

3.3.2 Unterstufe  

Inhaltliche Schwerpunkte

Strukturelle Schwerpunkte

Sonstiges

       AG-System mit differenzierten Leistungsgruppen

  • Lesen / Schreiben
  • Umgang mit Mengen u. Zahlen

-        EPU / ELDIB

-        Klassenübergreifende Stufenregeln

-        1x wöchentlich klassenübergreifende Neigungsgruppen mit Freizeitangeboten

-        Aufbau von Arbeitsverhalten (Ausdauer, Frustrationstoleranz, Konzentrations- u. Durchhaltefähigkeit)

-        AG-System Mo. u. Di. 2. Block

-        Gemeinsame Pause

  •  Verschobene Pausenzeit (13.15 – 13.45 Uhr)
  • Ruheklasse

-        „Offene Klasse“

-        Frühkonferenz nach der Stufensprecher-konferenz

Elternaktionen ca. 1 x pro Halbjahr (Frühstück, Kaffee, Ausflüge, …)

 

                   

3.3.3. Mittelstufe  

Für ein Mittelstufen-Konzept werden die folgenden Punkte als wichtig erachtet:

1. Spezifische Aufgaben und Erfordernisse der Mittelstufe

2. Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit in der Mittelstufe:    

3. Förderung von Schüler/innen mit besonderem Förderbedarf im Bereich sozial-emotionalen Lernens

4. Strukturelle Aspekte der Mittelstufe:

 

                   

3.3.4 Oberstufe  

Intentionen /Ziele

Methoden

-         Anbahnung von berufsvorbereitenden Tätigkeiten

-         Erhöhung von Arbeitstempo u. Ausdauer

-         Verbesserung des Sozialverhaltens im Hinblick auf verhaltensauffällige Schüler / Etablierung als Unterrichtsfach

-         Erweiterung der Freizeitkompetenz

-         Angebote speziell für Mädchen und Jungen

-         Praxisbezug der Kulturtechniken

-         Vorbereiten auf ein Leben nach der Schule (Zukunftsplanung)

-         Projektorientiertes Arbeiten

-         Formen offenen Unterrichts

-         Arbeiten mit Kopf, Herz und Hand

 

                   

3.3.5 Berufspraxisstufe  

Intentionen /Ziele

Methoden

-         Vorbereitung auf die Arbeitswelt

-         Vermitteln von Schlüsselqualifikationen

-         Erziehung zur größtmöglichen Selbständigkeit

-         Identitätsfindung (Wer bin ich? Was kann ich? Wo will ich hin?)

-         Hilfestellung  zur Einbindung in die Gesellschaft

-         Hilfestellung im Spannungsfeld von Wunsch und Wirklichkeit

-         Einzel- und Gruppengespräche

-         Praktische Erfahrungen (z.B. Praktika, Exkursionen, Beratungsgespräche mit verschiedenen Institutionen)

-         Arbeitsgemeinschaften

-         Projektarbeit als Schwerpunkt

-         Produktion und Verkauf

(vgl. 3.1.15 Arbeitsbereiche)

                   

3.4 Unterrichtsinhalte  

3.4.1 Kommunikation  

Von fundamentaler Bedeutung für das Zusammenleben für Menschen ist die Fähigkeit zur Kommunikation.  Die Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit dient zudem dazu, gezielter auf die Umwelt einwirken zu können.

Dabei kann die unterstützte Kommunikation die Lautsprache fördernd ergänzen oder auch ersetzen.

Bei der in der Rurtal-Schule praktizierten unterstützten Kommunikation kann zwischen körpereigenen und externen Kommunikationshilfen unterschieden werden.

 
Tabelle 2: Kommunikationsformen in der Rurtal-Schule  

Kommunikationsformen in der Rurtal-Schule

Körpereigene

Externe

  • Zeigen
  • Blickbewegung
  • Gestik / Mimik
  • Individuelle Gebärden

Nicht elektronisch

elektronisch

  • Bildsymbole
  • Fotos
  • Piktogramme
  • Boardmaker
  • Talker
  • Schalter

Individuelle und klassenspezifische Gestaltung der Förderung

Vorwiegend individuelle Förderung, wobei eine klassenübergreifende Förderung angestrebt wird

 Die Rurtal-Schule ist seit dem 21.3.2003 Mitglied der „Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.“  Seit dem Schuljahr2002/03 existiert in der Rurtal-Schule eine Fachkonferenz „Unterstützte Kommunikation“, in der Sonderpädagogen und Eltern zusammenarbeiten. Inzwischen wurden viele Medien und Geräte angeschafft. Von großer Wichtigkeit ist dabei die Beratungstätigkeit von zwei Sonderpädagoginnen. Die Beratungstätigkeit bezieht sich einmal auf die Beschaffung von „Talkern“ (z.B. Small-Talker, Mini-Talker, Chat-Box) und „Low-Tech-Geräten“ (z.B. Big Mack, Step-by-Step, Power Link). Zum anderen geben sie didaktische und methodische Hinweise zum Einsatz der Geräte im Unterricht und Alltag.

Die unterstützte Kommunikation ist Bestandteil des gesamten Unterrichts und Tagesablaufes in der Rurtal-Schule.

Für die Zukunft ist perspektivisch folgendes geplant:  

 

                     

3.4.2 Schwerstbehindertenförderung  

Für 46% der SchülerInnen der Rurtal-Schule mit schwersten und mehrfachen Behinderungen besteht gemäß § 10 AO-SF ein besonderer Förderbedarf.  

Hier gelten  die folgenden Grundsätze bzw. Ziele:  

1.      Konstitution: Stabilisierung und Verbesserung der konstitutionellen Bedingungen,

2.      Wahrnehmung: In-Gang-Setzen und Ausdifferenzieren von Wahrnehmung und Verarbeitung,

3.      Motorik: Ermöglichung und Anregung sensomotorischer Erfahrungen bzw. Aufbau von Schemata,

4.      Handlungskompetenz: Passivität und Abhängigkeit abbauen, selbstbestimmte Aktivitäten anbahnen und entfalten,

5.      Individualität: Bedürfnisse und Interessen entwickeln und verwirklichen und

6.      Kommunikation / Sozial- u. Emotionalverhalten: Kontakte erleichtern, Beziehungen aufbauen und Dialoge ermöglichen.    

SchülerInnen mit schwersten Behinderungen werden in der Rurtal-Schule nicht in speziellen Klassen beschult. Heterogene Klassengemeinschaften fördern eindeutig den Zielbereich „Sozial-emotionales Lernen“.

Die Fördermaßnahmen finden hier im Rahmen der Einzelförderung und des  Kursunterrichts statt.

Hier kann in homogenen Schülergruppen eine gezielte Förderung in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Kommunikation, Handlungskompetenz und Konstitution geleistet werden.  

Die Förderung bezieht sich auf die folgenden Schwerpunkte:

Sensorik

Kognition / Denken

Kommunikation / Sprache

Motorik

Lern- u. Arbeitsverhalten

Motivation

Emotionalität

Sozialverhalten

Selbstversorgung /Pflege

Darüber hinaus sind für die Zukunft noch die folgenden Verbesserungen bzw. Veränderungen  notwendig. Zu nennen sind hier:

                       

3.4.3 Entspannung und Snoezelen  

Entspannungstechniken dienen auch in der Rurtal-Schule dazu, die Lernatmosphäre in den Klassen zu verbessern und die Lernbereitschaft zu stärken.

Dies gilt besonders für  SchülerInnen mit Verhaltensproblemen.

In dem sog.  Snoezelen-Raum der benachbarten Lebenshilfe e.V. erfahren SchülerInnen mit schwersten Behinderungen basale  Sinneseindrücke.

                      

3.4.4 Kulturtechniken  

Die Erwartungen der Eltern im Hinblick auf die Vermittlung von Kulturtechniken führen oft zu grundsätzlichen Diskussionen über ihren Stellenwert im Lernangebot einer Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“.  

                     

3.4.4.1 Lesen und Schreiben  

In der Rurtal-Schule wird bewusst kein einheitliches Lesekonzept vorgeschrieben. Der Leseunterricht soll sich an den Schülern und deren Bedürfnissen orientieren.

Dabei gelten die folgenden Rahmenbedingungen:

Es wurde ein Diagnosebogen entwickelt, der

Der Diagnosebogen erfasst die folgenden Bereiche:

 

                     

3.4.4.2 Mengen und Zahlen  

Für die Denkentwicklung und den Erwerb mathematischer Begriffe sind die folgenden Basisfähigkeiten unabdingbar:

Inhaltlich bieten sich im Unterricht die folgenden Lernschritte an:

1.      Raumordnungsbegriffe,

2.      Formen und Farben,

3.      Zeitliche Reihenfolge,

4.      Zuordnen und Vergleichen von Mengen,

5.      Zahlen und Ziffern,

6.      Grundrechnen,

7.      Maße und Gewichte  

Für die Rurtal-Schule bietet der Ansatz eines „erweiterten“ Rechenbegriffes (vgl. LANZINGER, H.: Lernen konkret Heft 2 – Mai 1997, S. 2ff) und das Verständnis von „Mathematik als Welterfahrung“ (vgl.: SCHMITZ/SCHARLAU: Mathematik als Welterfahrung. Neues Lernen mit Geistigbehinderten Köln 1990) eine Möglichkeit, den Widerspruch zwischen lebenspraktischer und mathematischer Bildung aufzuheben.  

Dies bedeutet, dass auch solche Lernbereiche das Mathematiklernen fördern, welche auf dem ersten Blick nichts mit Mathematik zu tun haben.

In diesem Sinne sollen die in den Richtlinien von 1980 formulierten Unterrichts- und Erziehungsziele mit mathematischen Lerninhalten verknüpft werden.   

 

                   

3.4.5 Computer  

Die moderne Informationstechnologie hat auch ihren Einzug in die Rurtal-Schule gehalten. Seit Dezember 2000 verfügt die Rurtal-Schule über eine sog- T-Class der Deutschen Telekom. Jede Klasse ist mit einem leistungsfähigen Computer ausgestattet, auf denen Lernprogramme, ein Kommunikationsprogramm und andere Anwendungen (z.B. Schreib- und ein Grafikprogramm) installiert sind.  Für die Wartung und Pflege der Klassencomputer ist eine Kollegin bzw. ein Kollege der jeweiligen Stufe zuständig.

Im e-team des Kreises Heinsberg ist die Rurtal-Schule durch den stellvertretenden Schulleiter vertreten.  

Mit den 4 Computern der T-Class kann über DSL im Internet gesurft, Lernprogramme bearbeitet und beispielsweise die Schülerzeitung geschrieben und redigiert werden. Seit Oktober 2005 besitzt die Berechtigung, über das System „EDMOND“ Online-Medien abzurufen.

Im Erweiterungsbau befindet sich ein zweiter Computerraum mit 4 Rechnern. Diese Computer werden demnächst vernetzt und ans Internet angeschlossen.  

Der in diesem Bereich vorhandene  Fortbildungsbedarf wird und wurde auf vielfältige Weise Rechnung getragen:

 

                   

3.4.6 Wahrnehmung  

Die Fähigkeit zur Reizaufnahme und die Reizverarbeitung im Gehirn ist die Basis eines jeden Lernprozesses.  

In der Rurtal-Schule erfolgt die Wahrnehmungsförderung auf folgende Weise:

  1. als Einzelförderung in und außerhalb der Klasse,
  2. als Unterrichtsprinzip in allen Lernbereichen und
  3. als spezielles Lernvorhaben im Klassenverband (vgl. STAATSINSTITUT FÜR SCHULPÄDAGOGIK MÜNCHEN: Lehrplan und Materialien, München 1982, S. 33ff).

 

                   

3.4.7 Lebenspraktisches Training  

Das lebenspraktische Training bezieht sich auf grundlegende Lerninhalte, welche im Wesentlichen die  folgenden Bereiche betrifft:  

In diesen Lernbereichen werden  beispielsweise die folgenden Lerninhalte behandelt:  

Tabelle 3: Lerninhalte im Lernbereich „Lebenspraktisches Training“  

Orientierung in Zeit und Raum

Körperpflege und Hygiene

Selbstversorgung

Gemeinschaft

Zeitliche Orientierung Tages- u. Wochenplan; Uhr; Tage, Wochen, Monate und Jahre; Jahreszeiten, ...

Räumliche Orientierung: Räume in der Schule; Wege zu öffentlichen Einrichtungen; Verhalten im Verkehr, ....

 

 

 

- Körper- u. Psychohygiene: Den Körper kennenlernen, reinigen u. pflegen; Verhalten bei Krankheiten u. Notfällen; Entspannungstechniken; Freizeitmöglichkeiten; ...

- Bekleidungshygiene: Schutzfunktion von Kleidung; Nutzung von Kleidung, Bekleidung als individueller Gebrauchsgegenstand; Pflege und Reparatur von Kleidung; ....

Wohnhygiene: Funktionen der Räume einer Wohnung; Pflege einer Wohnung; ...

 

- Einkauf u. Lagerung  von Lebensmitteln

Zubereitung von Malzeiten

- Klassenämter

-  Umgang mit Regeln

Feiern (z. B. Geburtstag)

-  Hilfsmöglichkeiten kennen u. in Anspruch nehmen;

-   Klassenfahrten; ...

 

                     

3.4.8 Sachunterricht  

Im Sachunterricht werden physikalische, biologische, historische und geografische Inhalte  thematisiert. Sie werden in der Regel im Rahmen von Projekten oder Vorhaben im Unterricht behandelt.

                      

3.4.9 Sexualerziehung  

Sexualerziehung nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen ein.

Wichtig ist hier die Vermittlung biologischer und hygienischer Fakten, aber auch die Thematisierung  der Fragen, die mit Freundschaft, Partnerschaft, Liebe, Verhütung usw. in Verbindung stehen.

In der Rurtal-Schule  werden die Eltern über die Lerninhalte im Vorfeld informiert. Institutionen wie z. B. Pro Familia werden ebenfalls in die Unterrichtsarbeit einbezogen.

Zwei Sonderpädagoginnen führen für die Schülerinnen der Rurtal-Schule sexualpädagogische Unterrichtsreihen und Projekte zum Verhältnis zum anderen Geschlecht durch. Hier werden sie durch eine Sozialpädagogin der AWO unterstützt. Zudem werden Sprechstunden für beide Geschlechter angeboten.

                       

3.4.10 Verkehrserziehung  

Das korrekte Verhalten im Verkehr wird von der Vorstufe bis zur Werkstufe eingeübt und trainiert. Dazu dienen Unterrichtsgänge in der näheren und weiteren Umgebung.  

In Zusammenarbeit mit der Polizei kann in der Rurtal-Schule der Fahrradführerschein erworben werden.  

 

                     

3.4.11 Ästhetische Erziehung  

Beim Bildnerischen und Plastischen Gestalten   werden grundlegende Techniken im Umgang mit Farben, Werkzeugen und Materialien erlernt und angewendet. Der Fantasie  wird dabei viel Platz und Freiraum gelassen.

Als Projekte sind hier die zum Beispiel die Klassenraumgestaltung oder die Herstellung von Theaterkulissen zu nennen.

Sobald es die Raumsituation der Rurtal-Schule zulässt, können in einem Tonraum Skulpturen und Gefäße geformt, grassiert und gebrannt werden.  

 

                     

3.4.12 Bewegung  

Im Sportunterricht sollen vorhandene Bewegungsfertigkeiten gefestigt und neue erworben werden.  Dabei ist es wichtig, Freude an Bewegungen zu wecken und das Selbstvertrauen zu stärken.

In sozialer Hinsicht kann dabei die Kontaktaufnahme verbessert werden, indem das Anerkennen von Regeln geübt und die Vorteile des Miteinanders erfahren werden.  

Beim Schwimmunterricht steht die Wassergewöhnung im Vordergrund. Darauf aufbauend kann das Brustschwimmen angebahnt und erlernt werden.  

In der Fußball-AG werden klassenübergreifend die Grundlagen des Fußballsports erlernt. Bei Freundschaftsspielen oder Turnieren wird der Umgang mit Siegen und Niederlagen erlernt.  

Die Teilnahme an Laufveranstaltungen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, auch in der Öffentlichkeit sportlich präsent zu sein.

Bei der jährlich in Immenstadt/Allgäu  stattfindenden integrativen Skifreizeit üben SchülerInnen die Kunst des Skifahrens.

 

                       

3.4.13 Religion  

Das Hauptanliegen des  Religionsunterrichts besteht darin, Glaubensinhalte begreifbar und erlebbar zu machen. Die Gemeinschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle.

SchülerInnen der Rurtal-Schule werden bereits seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit einem Pfarrer auf die Feier der Erstkommunion vorbereitet.

Das gleiche wird nun auch im Hinblick auf die Konfirmation für evangelische SchülerInnen angeboten.

 

                     

3.4.14 Musik  

Der Musikunterricht besitzt in der Rurtal-Schule einen sehr hohen Stellenwert. So hat  Musik  einmal die Funktion, die Vermittlung von Lerninhalten in allen Fachbereichen zu erleichtern und zum anderen dient sie der Kommunikation.

Der klassische Musikunterricht in den Klassen und klassenübergreifenden Musikkreisen  betrifft die folgenden Schwerpunkte u. Teilgebiete:  

Tabelle 4: Ziele u. Inhalte des Musikunterrichts an der Rurtal-Schule  

 

Singen u. Sprechen

Elementares Instrumentalspiel

Bewegung u. Tanz

Musikhören

Ziele

- Erarbeiten einer Melodie durch Vor- und Nachsingen

- Melodie auf Singsilben singen

- Texte erlernen

- Einführung großes u. kleines Schlagwerk

- Umgang u. Hand-habung  des Schlagwerkes

- Bodyperkussion

- Freie u. vorgegebene Tänze

- Szenisches Spiel /Rollenspiel

- Musikmalen

Auditive Wahrnehmungserziehung

Inhalte

- Sprechspiele

- Spiel- u. Bewegungslieder

- Projektorientierte Lieder

- Jahreszeitlich orientierte Lieder

- Beispiele aus der aktuellen Popmusik / Schlager

- Liedbegleitung

- Klanggeschichten

- Improvisation

- Spiel mit Geräuschen, Klängen u. Tönen

- Rhythmisches Spiel

- Bewegungs- u. Spiellieder

- Tanzlieder / Tanzspiele

- Tänze

- Rhythmik

- Geräusche

- Klänge / Töne / Musikbeispiele

- Hörspiele

 

Mit Hilfe des von Beate Theißen geschaffenen Unterrichtswerkes „Blockflöte, das kann ich“ werden Schüler/innen in das Instrumentenspiel mit einer Blockflöte eingeführt.  

Das Integrationsprojekt „Rur-Rock – Wir zusammen“ ist im Jahr 1995 ursprünglich aus dem Schulchor der Rurtal-Schule hervorgegangen. Seit der gemeinsamen Benefizgala mit dem durch das Musical „Gaudi“ bekannten Sänger John Cashmore im Jahr 1998 wurde der Grundstein für eine enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Hauptschule Oberbruch gelegt.  Der Namenszusatz „Wir zusammen“ ist bei einem gemeinsamen Musikworkshop mit der Partnerschule „Heilpädagogisches Zentrum“ (HPZ) im Mai 2001 entstanden.  

Vorbild für die Schulband ist die klassische Besetzung einer Rockband, wobei die Band in eine Schlagzeug- und eine Gesangsgruppe aufgegliedert ist.  Das Keyboard, die Bassgitarre und die Gitarre werden von LehrerInnen gespielt.

Für das Repertoire werden deutschsprachige und internationale Stücke aus der Pop- und Rockmusik ausgewählt (z.B. Mit dem Mikro in der Hand, Kinder des Rock’n Roll, We are the world, Proud Mary, We will rock you), die den Bedürfnissen der Schüler entsprechen und einen hohen Anforderungscharakter zum Mitmachen besitzen.

Die Probenarbeit gliedert sich in eine Gesangs-, Schlagzeug- und Gesamtprobe. Im Instrumentalkreis der Hauptschule werden Solopassagen auf dem Keyboard oder anderen Instrumenten erarbeitet und geübt. Ein teilweise privat finanzierter Gesangsunterricht ergänzt die Gesangsprobe.

    Bei den Proben wird  projektorientiert gearbeitet, wenn öffentliche Auftritte im In- oder Ausland vorbereitet werden. Exemplarisch ist hier das  deutsch-russische Musik- und Friedensprojekt „Du gehörst zu uns“ vom 19. bis 30. Mai 2005 zu nennen, das  mit einem Benefizkonzert mit  Rolf Zuckowski abgeschlossen wurde.  

„Rur-Rock- Wir zusammen“ repräsentiert die Rurtal-Schule auch nach außen mit einer Musik, die sowohl jüngere als auch ältere Menschen emotional anspricht. Menschen mit sog. geistiger Behinderung (Menschen mit besonderen Bedürfnissen in der geistigen Entwicklung) be­sitzen in der Regel eine hohe Sozialkompetenz und Größe in der menschlichen Begegnung. Sie eröffnen für sich und andere Musikerlebnisse und vermitteln Musik als lebensbereichernd und als Ausdruck von Lebensfreude. Sie helfen mit, die „besondere“ Schulform nach außen zu öffnen, einhergehend mit dem Abbau von Vorurteilen und dem Aufbau von Respekt und Akzeptanz.  

Das Eindringen in Bereiche, die bisher (vermeintlich) verschlossen waren und die daraus resultierende Anerkennung schaffen, nicht nur für die Mitglieder von „Rur-Rock – Wir zusammen“, ein positives Selbstbild und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Die zwischenmenschlichen Begegnungen durch das Musizieren tragen ganz erheblich zur weiteren Integration bei. Nicht zuletzt eröffneten sich für die Mitglieder „Rur-Rock – Wir zusammen“ Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, auch über die Schulbesuchszeit hinaus.  

Da diese musikalische Förderung in einer Band eng mit dem sog. Normalisierungs- und Integrationsprinzip verbunden ist, wird damit ein wesentlicher Beitrag zum Leitziel „Selbstverwirklichung in sozialer Integration“ geleistet (vgl. HARTOGH, THEO: Musikalische Erziehung geistig behinderter Menschen. Berlin: Luchterhand 1998).  

 

                     

3.4.15 Theater und Tanz  

Der neue Erweiterungsbau mit einer mobilen Bühne, Beschallungs- und Beleuchtungsanlage bietet die Möglichkeit zur Aufführung von Sketchen, Theaterstücken und Tanzeinlagen. Rollstuhl- und Formationstänze können zudem auf einem speziellen Fußboden des Forums eingeprobt und aufgeführt werden.

Der Schwarzlichtraum im Mittelstufenbereich der Rurtal-Schule kann bis auf weiteres für Schwarzlichtvorführungen genutzt werden.

                     

3.4.16 Arbeitsbereiche  

In der Ober- und in der Werkstufe stehen solche Lernbereiche im Vordergrund, die auf das Erwachsensein nach dem Verlassen der Rurtal-Schule vorbereiten.

Zu erwähnen sind hier als Beispiele die Bereiche Holz, Wäsche, Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Spiele.  

Besonders für den Werkstufenschüler, der seine Berufsschulpflicht an der Rurtal-Schule erfüllt, wurde das sog. Werkstufenkonzept entwickelt.  

Das Werkstufenkonzept geht von drei Grundannahmen aus:  

Erwachsen.  

für seine Person angemessene Selbständigkeit.  

stimmten Leben als Erwachsener.

 

Daraus folgen drei gleichwertige Ziele der Werkstufe:  

1.         Förderung und Ausbau der allgemeinen Lebensfähigkeit, aufbauend auf die

            Bildungsinhalte der vorherigen Stufen.  

2.         Vorbereitung auf die Bewältigung von zukünftigen Lebenssituationen als

            Erwachsener.  

3.          Vermittlung einer  breit angelegten  berufliche Grundbildung zur Verbesserung von Lebenschancen und Lebensqualität.

   

Die Bereiche

 

           

sind untereinander abhängig (interdependent)!  

In diesen Bereichen soll der Werkstufenschüler Handlungsfähigkeit bzw. Handlungskompetenz erwerben. 

Zwei  Prinzipien sind dabei hervorzuheben:  

·        Der Unterricht (Förderung) nach dem allgemeinbildenden Teil beschränkt sich nicht  nur auf eine spätere Erwerbstätigkeit.  

·        Verantwortung lernt man nur, wenn man Verantwortung übernimmt bzw. bekommt –

„Wie lernt man Verantwortung, wenn man keine hat?“

   

                    

3.5 Außerschulische Lernorte  

Der Unterricht findet innerhalb  und außerhalb der Rurtal-Schule statt. 

Zu nennen sind hier der Besuch von öffentlichen Einrichtungen (z.B. Post, Geschäfte), Unterrichtsgänge, das Reiten in den benachbarten Niederlanden,  Klassenfahrten, Ausflüge und Praktika zur Berufsvorbereitung.

Die Vorstufe besucht regelmäßig einen Reiterhof in Gangelt oder in den benachbarten Niederlanden. Im sensoriell-motorischen Bereich werden hier u. a. die Gleichgewichtsbeherrschung, das Körperbewusstsein, die Raumlageorientierung und die Wahrnehmung gefördert.

Dies  wirkt sich besonders positiv auf den kognitiven Bereich und die psychische Stabilität der SchülerInnen aus.  

Das „Interkulturelle Lernen“ ist inzwischen zu einem festen Bestandteil des Schulprofils der Rurtal-Schule geworden.

Zwischen der Rurtal-Schule und dem Heilpädagogischen Zentrum im russischen Pskow wurde im Jahr 1993 eine Patenschaft begründet, die durch Beschluss der Schulkonferenz am 19. Juli 2004 in eine Partnerschaft umgewandelt wurde.  

Zur Elms Bank High School im englischen Bury bei Manchester besteht seit 1997eine enge Schulpartnerschaft.    

Mit der Elms Bank High School Bury, dem College de la Villemarque Quimperle / Frankreich hat die Rurtal-Schule von 1.3.1998 bis 31.7.2001   am Europäischen Bildungsprojekt COMENIUS teilgenommen.  

Inzwischen hat eine Vielzahl von regelmäßigen Schülerbegegnungen stattgefunden (z.B. Internationales Sommercamp zum Thema Zirkus im Jahr 1997; Reisen der Schülerband „Rur-Rock – Wir zusammen“ nach England und Russland; Skifreizeiten in Immenstadt / Allgäu), bei denen das gemeinsame Erleben und die Übernahme von sozialer Verantwortung im Vordergrund stehen.

                     

4. Außerunterrichtliche Aktivitäten  

Aktivitäten, welche die Unterrichts- und Erziehungsarbeit direkt oder indirekt  beeinflussen, betreffen vier Bereiche:  

Tabelle 6: Außerunterrichtliche Aktivitäten

Therapie

  • Psychomotorik
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Krankengymnastik

Elternarbeit

  • Elternsprechtag
  • Elternabend
  • Hausbesuch
  • Elternfrühstück
  • Bereitschaftsdienst

Schulgremien

  • Lehrerrat
  • Stufensprecher
  • Stufenkonferenz
  • Fachkonferenz
  • Lehrerkonferenz
  • Klassenvertreterkonferenz
  • Klassen- u. Schulpflegschaft
  • Schülerverwaltung
  • Schulkonferenz

Schulleben

  • Kiosk
  • Pausengestaltung
  • Schulfeiern
  • Besondere Ereignisse
  • Teilnahme an Programmen und Wettbewerben

 

Der Bedarf an Therapie kann in der Rurtal-Schule nur teilweise befriedigt werden. Deshalb müssen auch Angebote von privaten Praxen oder anderen Einrichtungen genutzt werden.  

Zu einer funktionierenden und demokratischen Schule gehört die aktive Mitwirkung von  Lehrkräften, Schülern und Eltern.  Sie wirken bei wichtigen Entscheidungsprozessen mit.  

Das Schulleben der Rurtal-Schule bietet ein reichhaltiges Spektrum. Zu erwähnen sind hier der von Werkstufenschülern geführte Kiosk, verschiedene Freizeitangebote während der Mittagspause, Feiern zu jahreszeitlichen (z.B. Karneval) und besonderen Anlässen (z.B. Schuljubiläen).  

Zum Selbstverständnis der Rurtal-Schule gehört es auch, Wege zur Qualitätsverbesserung der schulischer Bildung und Erziehung zu beschreiten,   die dabei helfen, das Schulleben zu gestalten und zu einer Öffnung der Rurtal-Schule beizutragen. Im Rahmen des GÖS-Programmes wurde beispielsweise das Internationale Sommercamp zum Thema Zirkus im Jahre 1997 in die Tat umgesetzt.

Die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben  bietet die Möglichkeit,  einer breiteren Öffentlichkeit die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit einer geistigen Behinderung zugänglich zu machen. Zudem wird im Sinne einer Evaluation der pädagogischen Arbeit in der Rurtal-Schule einer Überprüfung und Bewertung unterzogen.  

Die Rurtal-Schule hat seit März 2000 folgenden Preise und Auszeichnungen erhalten:  

                    

5. Öffentlichkeit  

Die Rurtal-Schule arbeitet mit den verschiedensten Institutionen zusammen.Hervorzuheben sind hier die Kindergärten und die Werkstatt für Behinderte der nahen Lebenshilfe e.V. .  

Am 8. November 1994 wurde der Förderkreis der Rurtal-Schule gegründet. Die Mitglieder des Förderkreises sind Eltern von Kindern mit einer geistigen oder anderen Behinderungen, Lehrer, Freunde und Gönner der Rurtal-Schule.

Der Förderkreis wird da tätig, wo auch der großzügige Schulträger nicht helfen kann. So unterstützt der Förderkreis einzelne Schüler, die Öffentlichkeitsarbeit, die Bildungsarbeit, kulturelle Vorhaben und  die Kontaktpflege zu nationalen und internationalen Einrichtungen.  

Die Freizeitinitiative „Rurtal-Kids“ bietet an Wochenenden unterschiedliche Freizeitaktionen (z.B. Disco, Ausflüge, Spielnachmittage) an.  

In der Öffentlichkeit präsentiert sich die Rurtal-Schule bei öffentlichen Schulfesten (Tag der offenen Tür), bei Auftritten der Schülerband „Rur-Rock – Wir zusammen“, über die Schülerzeitung „Hallo“, die Schulzeitung „Rurtal-Schule Aktuell“  und die Homepage der Rurtal-Schule (www.rurtal-schule.de). Dies wird durch eine intensive Zusammenarbeit mit der lokalen und regionalen Presse ergänzt.  

Sehr wichtig ist  die Zusammenarbeit der Rurtal-Schule mit der Psychiatrie in Gangelt,  der Autismusambulanz, den jeweils zuständigen Jugendämtern, dem  Sozialamt, dem  Arbeitsamt, den Pflegediensten und Erziehungsberatungsstellen.  

Die Frauenförderungsstelle des Kreises ist die Anlaufstelle für Lehrerinnen  und Schülerinnen auf dem Hintergrund des Gleichstellungsgesetzes.  

GEW und VBE vertreten die  Interessen der Kolleginnen und Kollegen in den gesetzlich festgelegten Mitbestimmungsgremien.  

                    

6. Perspektiven

Im November 2006 feiert die Rurtal-Schule ihr 30-jähriges Jubiläum.

Für die Reise in die pädagogische Zukunft der Rurtal-Schule sind zu erhoffen: