Schüler powern für die Umwelt

Projektbeschreibung

Bei dem Wettbewerb "Schüler powern für die Umwelt" hat die Rurtal-Schule den 3. Preis bekommen, der mit 300 € dotiert war.

Durch einen Artikel in einer Zeitung wurden wir auf Ihre Umweltaktion aufmerksam.

Sofort entwickelten sich bei uns erste Ideen, in welchem Rahmen wir an dieser Aktion mitmachen könnten.

Wir, das sind 3 Lehrer und 12 Schüler der „ Natur erkunden und erfahren- AG“ der Rurtal-Schule, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Bei unseren Schülern treffen verschiedene Behinderungsformen zusammen. Diese bewegen sich zwischen leichten bis schweren geistigen und teilweise auch körperlichen Behinderungen. Aus diesem Grund ist nicht jede Arbeit für jeden der Schüler gleichermaßen zu bewältigen. Dennoch sind alle in irgendeiner Form an unseren Projekten beteiligt.

Die Natur-AG trifft sich jeweils am Montagnachmittag um 13 Uhr 30.

In diesem Schuljahr haben wir damit begonnen einen Pavillon aus Lehm herzustellen. Die Arbeiten gingen gut voran.

Lehmpavillon während der Baupause  

Doch schließlich wurden die Witterungsbedingungen zu schlecht, um den Bau voran zu treiben. Und somit kam uns ihr Zeitungsartikel sehr entgegen. Nicht, dass wir keine anderen Ideen gehabt hätten, doch an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen bedeutet gerade für unsere Schüler eine riesen Herausforderung.

Da es unseren Schülern nicht möglich ist, auf Grund ihrer Beeinträchtigungen, einen sinnvollen Text zu erarbeiten; die meisten Schüler können überhaupt nicht schreiben, werde ich an deren Stelle unser angedachtes Projekt, bzw. unsere angedachten Projekte darstellen und im Weiteren auch den Verlauf der einzelnen Vorhaben dokumentieren:

 

1.                Wir schaffen Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse:  

Da in unserer aufgeräumten Umwelt leider nur sehr wenige natürliche Nisthöhlen und Unterschlupfmöglichkeiten (alte Spechthöhlen, modernde Baumhöhlen u.ä.) vorhanden sind, liegt es an uns Menschen, den Tieren unserer Umgebung Ersatzquartiere anzubieten. Durch ein solches Angebot wird sich der Bestand erhöhen zumindest aber stabilisieren können. Eventuell lockt man aber auch Tiere an, die bisher nicht an unserer Schule anzutreffen sind.

Rene beim Zusammennageln eines Nistkastens

Aus billigen Schalbrettern, die man normalerweise zum Hausbau benötigt, wurden passende Hölzer geschnitten, die im alten Werkraum der Schule zusammengenagelt  und anschließend mit einer Holzlasur auf Wasserbasis angestrichen wurden. Nachdem sie getrocknet waren, legten wir sie zur Seite, um mit der nächsten Baureihe zu beginnen.

Zivi mit einem schwerstbehinderten Schüler

 

Begonnen haben wir mit dem Bau einfacher Meisenkästen, nach einer Bauanleitung aus einem „Werkbuch für Natur“ aus dem Kosmos-Verlag.

Hierin fühlen sich vor allem die Blaumeisen wohl, da für die anderen Vögel das Einflugloch (28 mm) zu klein ist. Wir haben diesen Kasten gewählt, da die Blaumeise von der stärkeren Kohlmeise oder aber anderen Vögeln, wie z.B. dem Haus- und Feldsperling gerne vertrieben wird. Durch die Wahl dieses kleineren Einflugloches haben die Konkurrenten kaum eine Chance, da sie wegen ihrer Körpergröße nicht in diesen Nistkasten hineinpassen.

Als nächsten Nistkasten bauten wir den „Baumläuferkasten“.

Heinz Gerd beim Bemalen einzelner Bauteile  

Die Bauart ist die gleiche wie beim Meisenkasten. Der Unterschied besteht im Einflugloch. Dieser liegt nämlich direkt an der Seite des Kastens, damit vor allem die Gartenbaumläufer seitlich hineinschlüpfen können. Außerdem werden diese Kästen gerne vom Kleiber (Vogel des Jahres 2006) angenommen. Doch auch andere Vögel beziehen diesen Kasten, wie z.B.: Haus- und Feldsperlinge, verschiedene Meisenarten u.a..

Sebastian beim Anstreichen eines Meisenkastens  

Um auch den Vögeln gerecht zu werden, die nicht in einer ganz geschlossenen Höhle ihr Nest bauen, gingen wir daran mehrere Halbhöhlen zu bauen. Auch hier arbeiteten wir nach den Vorgaben des Werkbuches für Natur.

Die Halbhöhle ist, wie der Name schon sagt, vorne halb offen und bietet z.B. folgenden Vögeln eine Brutgelegenheit: Grauschnäpper, Gartenrotschwanz, Rotkehlchen, Bachstelze u.a..

Rüdiger beim Aufhängen einer Halbhöhle und eines Meisenkastens

 

Zum Schluss der Bauaktion bauten wir (wieder nach Angaben des Werkbuches) einige Sommerhöhlen für unsere einheimischen Fledermäuse, die allesamt stark gefährdet sind.

 

Tobias und Rüdiger beim Aufhängen, Arno und Michael sichern die Leiter. Stefan guckt, ob er auch gerade hängt.

 

Nachdem die Bauphase der Vogelnistkästen und der Fledermauskästen  beendet war, gingen wir hinaus, um geeignete Aufhängemöglichkeiten zu suchen. Wir stellten die entsprechenden Kästen an die jeweilige Stelle. Nachdem alle Kästen verteilt waren, wurden sie von uns in südöstlicher Richtung aufgehängt, damit das Einflugloch nicht zur Wetterseite zeigt und der Nistkasten feucht wird..

 

Stefan, Rene, Tobias und Rüdiger hängen unter Leitung von Arno Strothe einen Meisenkasten auf.  

Mit der Natur-AG des letzten Schuljahres erbauten wir ein Insektenhotel sowie ein Igelhotel. Das Igelhotel dient lediglich der Information, denn so dicht am Wegesrand wird dieses sicherlich kein Igel beziehen. Im Insektenhotel haben sich jedoch schon die ersten Solitärbienen eingefunden. Man sieht: Naturschutz macht Sinn!

 

Insektenhotel und Igelhotel

 

2.                Wir schildern unsere artgerechte Tierhaltung in unserem schuleigenen „Tierpark“  

Obwohl dieser Bericht nicht unbedingt mit dem Wettbewerb zusammenhängt, möchte ich dennoch einiges über unser Tiergehege schreiben, da die Natur-AG und der Tierpark eigentlich eine Einheit bilden. Denn hier spielt sich sehr viel ab, was in der AG erarbeitet wird. Außerdem errichten wir, wie erwähnt, hier unseren Pavillon aus Lehm.

In der Rurtal-Schule werden schon seit langer Zeit Haustiere gehalten. Diese Tiere werden von Schülern betreut, das heißt sie werden gefüttert, die Stallungen werden regelmäßig ausgemistet und die Gehege werden gesäubert. Wichtig ist vor allem der direkte Umgang mit den Tieren. Immer wieder müssen im Tierpark Reparaturen und neue Anstriche getätigt werden. Auch erbauen wir neue Ställe, Teiche und alles, was eben so benötigt wird.

Der Tierbestand der Schule sieht zur Zeit folgendermaßen aus:  

Wir haben:  

4 Bergziegen, die einen eigenen Stall und genügend Auslauf sowie ein Klettergerüst haben.

5 Moorschnucken ( hierbei handelt es sich um eine kleinere Art, die heute vor allem in der Landschaftspflege eingesetzt wird) Diese Schafe gehören zu den seltenen Haustierrassen.

Bis vor kurzer Zeit hatten wir noch Enten, Gänse und Hühner, die wir jedoch wegen der drohenden Vogelgrippe auf Anraten des Kreisveterinäramtes abgeschafft haben.

Nun haben wir acht Kaninchen gekauft, die ein neues Zuhause in der Rurtal-Schule erhalten sollen.

Alle Tiere fühlen sich in unserem Tierpark sichtlich wohl.  Schüler und Lehrer der Schule kommen oft und gerne um den Tieren zuzuschauen.

 

Unsere neugierigen Ziegen und Moorschnucken

3.                Wir legen ein Feuchtbiotop an  

Im vorigen Jahr wurde die Rurtal-Schule erweitert. Hinzu kam ein neues Gebäude, in dem 4 neue Klassen, eine schöne Aula sowie eine Lehrküche und ein Werkraum untergebracht sind. Das Regenwasser wurde sinnigerweise durch die Baufirmen in unser Schafgehege geleitet, wo es sich ansammeln kann und einen kleinen Teich bilden sollte. Doch genau hier liegt das Problem. Bei starkem Regen sammelt sich das Wasser in einer Senke, um dann nach ein paar Tagen wieder zu verschwinden, sprich zu versickern. Hier hat  kein Molch, kein Wasserinsekt und auch kein Frosch eine Chance sich anzusiedeln.

 

Also beschlossen wir im Rahmen dieses Wettbewerbs dieses Biotop wirklich so zu gestalten, das auch das Wasser darin stehen bleibt.

Wir befreiten den zukünftigen Teichgrund von den groben Steinen und Wurzeln, damit die Teichfolie später nicht durchlöchert und damit undicht wird.

 

Die Schüler beim Einebnen des Teichgrundes  

Als es schließlich aufhörte zu regnen, kaufte ich eine Teichfolie, die wir dann in gemeinschaftlicher Arbeit über der Senke ausbreiteten. Schließlich ließen wir Brunnenwasser einlaufen.

Die Folie ist ausgelegt und mit Wasser gefüllt, sie kann abgeschnitten werden.

 

Damit das Regenwasser auch in unseren neuen Teich fließen kann, mussten wir einen kleinen Wasserlauf bauen.

Regenrohr mit Bachlauf zum neuen Teich

Als der Teich randvoll gefüllt war, suchten wir aus dem Schafgehege jede Menge großer  und kleiner Steine, die hier schon immer herumliegen und gestalteten liebevoll den Rand. Fertig war unser Teich. Dies geschah natürlich nicht alles an einem Tag, sondern es dauerte schon eine ganze Weile, bis alles fertig war. Damit der Teich bzw. unser neues Biotop auch nicht von unseren Schafen durch deren Klauen zerstört werden kann, bauen wir rings um das Biotop einen Schafzaun (noch in Arbeit!).

Wenn alles feig ist heißt es nur noch warten und beobachten, bis sich die ersten Bewohner einstellen. Und die werden nicht lange auf sich warten lassen.

Damit aus unserem Teich auch wirklich ein Biotop werden kann, setzen wir keine Fische ein, die nämlich sämtliche Wasserinsekten und deren Larven sowie Kaulquappen der Frösche und Molchlarven als willkommene Nahrung ansehen.

 

Die Schüler bedecken die überstehende Teichfolie mit Kieselsteinen

 

4.                Wir besorgen uns Samen von heimischen Pflanzen der roten Liste, säen sie aus und pflanzen sie im schuleigenen Terrain an.  

In unserem beheizten Treibhaus ging eine Schülergruppe der AG Ende Februar an die Arbeit, um erste Vorbereitungen für die Aussaat unserer heimischen Pflanzen der roten Liste zu machen.

Wir besorgten uns die Samen vom Hundzahn (Erythronium dens- canis), vom zweiblättrigen Blaustern (Sciiia bifolia), von der echten Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) der Schachblume (Fitillaria meleagris) sowie vom Grünen Nieswurz (Helleborus viridis).

Töpfe und Erde wurden bereitgestellt und den Schülern wurde erklärt, was wir mit den Samen anfangen werden. Schnell waren die Pflanzen ausgesät. Jede Art erhielt noch ein Etikett, damit sie nicht verwechselt werden konnten. Sie wurden angegossen und nach einigen Tagen und teilweise auch Wochen erschienen die ersten Keimlinge der wertvollen Gewächse. Nun hieß es die neuen Pflanzen zu hegen und zu pflegen. Nach der Ausbildung des zweiten Keimblattes wurden bzw. werden die Pflanzen vereinzelt und in kleine Töpfe gepflanzt. Dadurch ist das Auspflanzen ins Freiland einfacher. Sie mussten gewässert werden (nicht zu viel aber auch nicht zu wenig, damit sie nicht verfaulen aber auch nicht verdorren).

Ende April wollen wir diese Pflanzen dann schließlich ins Freie tragen, um sie an geeigneten Stellen, die wir noch aussuchen werden, ein zu pflanzen.

Sebastian, Ismael und Marcel unter Leitung von Andreas Grothof beim Einsäen

 

Als Fazit unserer Arbeit kann gesagt werden, dass die meisten Schüler immer gut bei der Sache waren und ihnen die Arbeit und vor allem die Ergebnisse Spaß machten. Sie sahen, dass man aus relativ wenig und meist auch kostengünstigem  Material mit Einsatzbereitschaft, Liebe zur Natur und Einfallsreichtum eine Menge sinnvoller Dinge für unsere Natur machen kann. Ob sich der Aufwand auch wirklich gelohnt hat, das erfahren wir im Laufe des Jahres und in den kommenden Jahren. Doch wir sind uns schon jetzt sicher, dass sich an unserer Schule durch diese Aktionen viele neue und auch alte Tier- und Pflanzenarten ansiedeln werden. Wir brauchen nur die Augen offen halten und beobachten.

Von links nach rechts: Rene, Sebastian, Tobias, Michael, Heinz Gerd, Ismael, Rüdiger, Marcel und Stefan. Leider fehlten an diesem Tage Thomas, Alessandro und Frederik

Verantwortlicher Lehrer  für diesen Bericht und für das Projekt: Thomas Henkens

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