
Schüler powern für die Umwelt
Projektbeschreibung
Durch einen Artikel in einer
Zeitung wurden wir auf Ihre Umweltaktion aufmerksam.
Sofort entwickelten sich bei uns
erste Ideen, in welchem Rahmen wir an dieser Aktion mitmachen könnten.
Wir, das sind 3 Lehrer und 12 Schüler
der „ Natur erkunden und erfahren- AG“ der Rurtal-Schule, einer Förderschule
mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Bei unseren Schülern treffen
verschiedene Behinderungsformen zusammen. Diese bewegen sich zwischen leichten
bis schweren geistigen und teilweise auch körperlichen Behinderungen. Aus
diesem Grund ist nicht jede Arbeit für jeden der Schüler gleichermaßen zu bewältigen.
Dennoch sind alle in irgendeiner Form an unseren Projekten beteiligt.
Die Natur-AG trifft sich jeweils
am Montagnachmittag um 13 Uhr 30.
In diesem Schuljahr haben wir
damit begonnen einen Pavillon aus Lehm herzustellen. Die Arbeiten gingen gut
voran.

Lehmpavillon
während der Baupause
Doch schließlich wurden die
Witterungsbedingungen zu schlecht, um den Bau voran zu treiben. Und somit kam
uns ihr Zeitungsartikel sehr entgegen. Nicht, dass wir keine anderen Ideen
gehabt hätten, doch an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen bedeutet gerade für
unsere Schüler eine riesen Herausforderung.
Da es unseren Schülern nicht möglich
ist, auf Grund ihrer Beeinträchtigungen, einen sinnvollen Text zu erarbeiten;
die meisten Schüler können überhaupt nicht schreiben, werde ich an deren
Stelle unser angedachtes Projekt, bzw. unsere angedachten Projekte darstellen
und im Weiteren auch den Verlauf der einzelnen Vorhaben dokumentieren:
1.
Wir
schaffen Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse:
Da
in unserer aufgeräumten Umwelt leider nur sehr wenige natürliche Nisthöhlen
und Unterschlupfmöglichkeiten (alte Spechthöhlen, modernde Baumhöhlen u.ä.)
vorhanden sind, liegt es an uns Menschen, den Tieren unserer Umgebung
Ersatzquartiere anzubieten. Durch ein solches Angebot wird sich der Bestand erhöhen
zumindest aber stabilisieren können. Eventuell lockt man aber auch Tiere an,
die bisher nicht an unserer Schule anzutreffen sind.

Rene
beim Zusammennageln eines Nistkastens
Aus
billigen Schalbrettern, die man normalerweise zum Hausbau benötigt, wurden
passende Hölzer geschnitten, die im alten Werkraum der Schule zusammengenagelt
und anschließend mit einer Holzlasur auf Wasserbasis angestrichen
wurden. Nachdem sie getrocknet waren, legten wir sie zur Seite, um mit der nächsten
Baureihe zu beginnen.

Zivi
mit einem schwerstbehinderten Schüler
Begonnen
haben wir mit dem Bau einfacher Meisenkästen, nach einer Bauanleitung aus einem
„Werkbuch für Natur“ aus dem Kosmos-Verlag.
Hierin
fühlen sich vor allem die Blaumeisen wohl, da für die anderen Vögel das
Einflugloch (28 mm) zu klein ist. Wir haben diesen Kasten gewählt, da die
Blaumeise von der stärkeren Kohlmeise oder aber anderen Vögeln, wie z.B. dem
Haus- und Feldsperling gerne vertrieben wird. Durch die Wahl dieses kleineren
Einflugloches haben die Konkurrenten kaum eine Chance, da sie wegen ihrer Körpergröße
nicht in diesen Nistkasten hineinpassen.
Als
nächsten Nistkasten bauten wir den „Baumläuferkasten“.

Heinz
Gerd beim Bemalen einzelner Bauteile
Die
Bauart ist die gleiche wie beim Meisenkasten. Der Unterschied besteht im
Einflugloch. Dieser liegt nämlich direkt an der Seite des Kastens, damit vor
allem die Gartenbaumläufer seitlich hineinschlüpfen können. Außerdem werden
diese Kästen gerne vom Kleiber (Vogel des Jahres 2006) angenommen. Doch auch
andere Vögel beziehen diesen Kasten, wie z.B.: Haus- und Feldsperlinge,
verschiedene Meisenarten u.a..

Sebastian
beim Anstreichen eines Meisenkastens
Um
auch den Vögeln gerecht zu werden, die nicht in einer ganz geschlossenen Höhle
ihr Nest bauen, gingen wir daran mehrere Halbhöhlen zu bauen. Auch hier
arbeiteten wir nach den Vorgaben des Werkbuches für Natur.
Die
Halbhöhle ist, wie der Name schon sagt, vorne halb offen und bietet z.B.
folgenden Vögeln eine Brutgelegenheit: Grauschnäpper, Gartenrotschwanz,
Rotkehlchen, Bachstelze u.a..

Rüdiger
beim Aufhängen einer Halbhöhle und eines Meisenkastens

Zum
Schluss der Bauaktion bauten wir (wieder nach Angaben des Werkbuches) einige
Sommerhöhlen für unsere einheimischen Fledermäuse, die allesamt stark gefährdet
sind.

Tobias und Rüdiger beim Aufhängen, Arno und Michael sichern die Leiter. Stefan guckt, ob er auch gerade hängt.
Nachdem
die Bauphase der Vogelnistkästen und der Fledermauskästen
beendet war, gingen wir hinaus, um geeignete Aufhängemöglichkeiten zu
suchen. Wir stellten die entsprechenden Kästen an die jeweilige Stelle. Nachdem
alle Kästen verteilt waren, wurden sie von uns in südöstlicher Richtung
aufgehängt, damit das Einflugloch nicht zur Wetterseite zeigt und der
Nistkasten feucht wird..

Stefan,
Rene, Tobias und Rüdiger hängen unter Leitung von Arno Strothe einen
Meisenkasten auf.
Mit
der Natur-AG des letzten Schuljahres erbauten wir ein Insektenhotel sowie ein
Igelhotel. Das Igelhotel dient lediglich der Information, denn so dicht am
Wegesrand wird dieses sicherlich kein Igel beziehen. Im Insektenhotel haben sich
jedoch schon die ersten Solitärbienen eingefunden. Man sieht: Naturschutz macht
Sinn!

Insektenhotel
und Igelhotel

2.
Wir
schildern unsere artgerechte Tierhaltung in unserem schuleigenen „Tierpark“
Obwohl
dieser Bericht nicht unbedingt mit dem Wettbewerb zusammenhängt, möchte ich
dennoch einiges über unser Tiergehege schreiben, da die Natur-AG und der
Tierpark eigentlich eine Einheit bilden. Denn hier spielt sich sehr viel ab, was
in der AG erarbeitet wird. Außerdem errichten wir, wie erwähnt, hier unseren
Pavillon aus Lehm.
In
der Rurtal-Schule werden schon seit langer Zeit Haustiere gehalten. Diese Tiere
werden von Schülern betreut, das heißt sie werden gefüttert, die Stallungen
werden regelmäßig ausgemistet und die Gehege werden gesäubert. Wichtig ist
vor allem der direkte Umgang mit den Tieren. Immer wieder müssen im Tierpark
Reparaturen und neue Anstriche getätigt werden. Auch erbauen wir neue Ställe,
Teiche und alles, was eben so benötigt wird.
Der
Tierbestand der Schule sieht zur Zeit folgendermaßen aus:
Wir
haben:
4
Bergziegen, die einen eigenen Stall und genügend Auslauf sowie ein Klettergerüst
haben.
5
Moorschnucken ( hierbei handelt es sich um eine kleinere Art, die heute vor
allem in der Landschaftspflege eingesetzt wird) Diese Schafe gehören zu den
seltenen Haustierrassen.
Bis
vor kurzer Zeit hatten wir noch Enten, Gänse und Hühner, die wir jedoch wegen
der drohenden Vogelgrippe auf Anraten des Kreisveterinäramtes abgeschafft
haben.
Nun
haben wir acht Kaninchen gekauft, die ein neues Zuhause in der Rurtal-Schule
erhalten sollen.
Alle
Tiere fühlen sich in unserem Tierpark sichtlich wohl.
Schüler und Lehrer der Schule kommen oft und gerne um den Tieren
zuzuschauen.

Unsere
neugierigen Ziegen und Moorschnucken

3.
Wir
legen ein Feuchtbiotop an
Im
vorigen Jahr wurde die Rurtal-Schule erweitert. Hinzu kam ein neues Gebäude, in
dem 4 neue Klassen, eine schöne Aula sowie eine Lehrküche und ein Werkraum
untergebracht sind. Das Regenwasser wurde sinnigerweise durch die Baufirmen in
unser Schafgehege geleitet, wo es sich ansammeln kann und einen kleinen Teich
bilden sollte. Doch genau hier liegt das Problem. Bei starkem Regen sammelt sich
das Wasser in einer Senke, um dann nach ein paar Tagen wieder zu verschwinden,
sprich zu versickern. Hier hat kein
Molch, kein Wasserinsekt und auch kein Frosch eine Chance sich anzusiedeln.

Also
beschlossen wir im Rahmen dieses Wettbewerbs dieses Biotop wirklich so zu
gestalten, das auch das Wasser darin stehen bleibt.
Wir
befreiten den zukünftigen Teichgrund von den groben Steinen und Wurzeln, damit
die Teichfolie später nicht durchlöchert und damit undicht wird.

Die
Schüler beim Einebnen des Teichgrundes
Als es schließlich aufhörte zu
regnen, kaufte ich eine Teichfolie, die wir dann in gemeinschaftlicher Arbeit über
der Senke ausbreiteten. Schließlich ließen wir Brunnenwasser einlaufen.

Die
Folie ist ausgelegt und mit Wasser gefüllt, sie kann abgeschnitten werden.
Damit das Regenwasser auch in
unseren neuen Teich fließen kann, mussten wir einen kleinen Wasserlauf bauen.

Regenrohr
mit Bachlauf zum neuen Teich
Als
der Teich randvoll gefüllt war, suchten wir aus dem Schafgehege jede Menge großer
und kleiner Steine, die hier schon
immer herumliegen und gestalteten liebevoll den Rand. Fertig war unser Teich.
Dies geschah natürlich nicht alles an einem Tag, sondern es dauerte schon eine
ganze Weile, bis alles fertig war. Damit der Teich bzw. unser neues Biotop auch
nicht von unseren Schafen durch deren Klauen zerstört werden kann, bauen wir
rings um das Biotop einen Schafzaun (noch in Arbeit!).
Wenn
alles feig ist heißt es nur noch warten und beobachten, bis sich die ersten
Bewohner einstellen. Und die werden nicht lange auf sich warten lassen.
Damit
aus unserem Teich auch wirklich ein Biotop werden kann, setzen wir keine Fische
ein, die nämlich sämtliche Wasserinsekten und deren Larven sowie Kaulquappen
der Frösche und Molchlarven als willkommene Nahrung ansehen.

Die
Schüler bedecken die überstehende Teichfolie mit Kieselsteinen

4.
Wir
besorgen uns Samen von heimischen Pflanzen der roten Liste, säen sie aus und
pflanzen sie im schuleigenen Terrain an.
In
unserem beheizten Treibhaus ging eine Schülergruppe der AG Ende Februar an die
Arbeit, um erste Vorbereitungen für die Aussaat unserer heimischen Pflanzen der
roten Liste zu machen.
Wir
besorgten uns die Samen vom Hundzahn (Erythronium dens- canis), vom zweiblättrigen
Blaustern (Sciiia bifolia), von der echten Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
der Schachblume (Fitillaria meleagris) sowie vom Grünen Nieswurz (Helleborus
viridis).
Töpfe
und Erde wurden bereitgestellt und den Schülern wurde erklärt, was wir mit den
Samen anfangen werden. Schnell waren die Pflanzen ausgesät. Jede Art erhielt
noch ein Etikett, damit sie nicht verwechselt werden konnten. Sie wurden
angegossen und nach einigen Tagen und teilweise auch Wochen erschienen die
ersten Keimlinge der wertvollen Gewächse. Nun hieß es die neuen Pflanzen zu
hegen und zu pflegen. Nach der Ausbildung des zweiten Keimblattes wurden bzw.
werden die Pflanzen vereinzelt und in kleine Töpfe gepflanzt. Dadurch ist das
Auspflanzen ins Freiland einfacher. Sie mussten gewässert werden (nicht zu viel
aber auch nicht zu wenig, damit sie nicht verfaulen aber auch nicht verdorren).
Ende
April wollen wir diese Pflanzen dann schließlich ins Freie tragen, um sie an
geeigneten Stellen, die wir noch aussuchen werden, ein zu pflanzen.

Sebastian,
Ismael und Marcel unter Leitung von Andreas Grothof beim Einsäen

Als
Fazit unserer Arbeit kann gesagt werden, dass die meisten Schüler immer gut bei
der Sache waren und ihnen die Arbeit und vor allem die Ergebnisse Spaß machten.
Sie sahen, dass man aus relativ wenig und meist auch kostengünstigem
Material mit Einsatzbereitschaft, Liebe zur Natur und Einfallsreichtum
eine Menge sinnvoller Dinge für unsere Natur machen kann. Ob sich der Aufwand
auch wirklich gelohnt hat, das erfahren wir im Laufe des Jahres und in den
kommenden Jahren. Doch wir sind uns schon jetzt sicher, dass sich an unserer
Schule durch diese Aktionen viele neue und auch alte Tier- und Pflanzenarten
ansiedeln werden. Wir brauchen nur die Augen offen halten und beobachten.

Von links nach rechts: Rene, Sebastian, Tobias, Michael, Heinz Gerd, Ismael, Rüdiger, Marcel und Stefan. Leider fehlten an diesem Tage Thomas, Alessandro und Frederik
Verantwortlicher Lehrer für
diesen Bericht und für das Projekt: Thomas Henkens